Berlin im Blackout

Der Bürgermeister im Krisenmodus

Berlin lag im Dunkeln.
Nicht metaphorisch, sondern ganz real: kein Strom, keine Heizung, kein Netz.
Was ebenfalls ausfiel: Führung, Präsenz und ein Mindestmaß an Kriseninstinkt.

Der Bürgermeister: Rückzug ins Private als Staatsdoktrin

Der Regierende Bürgermeister erklärte später in einem Interview, er habe sich „zuhause eingeschlossen“.
Ein Satz, der in die Berliner Verwaltungsgeschichte eingehen dürfte – irgendwo zwischen Berliner Flughafen und Digitalisierung bis 2035.

Während draußen ein mutmaßlicher Terroranschlag die Infrastruktur lahmlegte, entschied sich der oberste Repräsentant der Stadt für das Modell politische Selbstisolation.
Nicht Krisenstab, nicht sichtbare Führung, nicht ein frühes Signal an die Bevölkerung – sondern: Wohnungstür zu, Rollläden runter, Verantwortung vertagt.

Man könnte fast meinen, das Berliner Krisenhandbuch bestehe aus genau einem Satz:
„Wenn man sich einschließt, erledigt sich das Problem von selbst.“

Berlin im Ausnahmezustand, der Bürgermeister im Home-Office-Modus „Bitte nicht klingeln“.
Führung durch Abwesenheit – eine Berliner Spezialität.


Krisenmanagement: Erst Chaos, dann Fototermin

Natürlich folgte später das Übliche:

  • Besuch beim THW
  • ernste Miene vor Aggregaten
  • Sätze wie „Wir nehmen das sehr ernst“

Nur dumm, dass Krisenmanagement nicht rückwirkend funktioniert.
Wer erst auftaucht, wenn die Lage halb stabil ist, betreibt keine Führung – sondern Schadensbegrenzung für das eigene Image.

Die Stadt wirkte nicht geführt, sondern verwaltet.
Und selbst das eher improvisiert – wie eine Behörde, die überrascht ist, dass Infrastruktur tatsächlich gebraucht wird.


Der Kanzler: Berlin dunkel, Paris hell erleuchtet

Und während Berlin sich mit Kerzen, Powerbanks und kalten Wohnungen behalf, machte der Kanzler das, was deutsche Kanzler besonders gut können: ins Ausland fliegen.

Ziel: Paris.
Thema: Ukraine, natürlich.
Stichwort: „Koalition der Willigen“ – große Worte, große Bühne, große Weltpolitik.

Verstehen wir uns nicht falsch:
Die Ukraine ist wichtig. Europa ist wichtig. Diplomatie ist wichtig.

Aber der Kontrast war bemerkenswert:
Zehntausende ohne Strom in der Hauptstadt – und der Kanzler diskutiert in Paris darüber, wer wie viel Verantwortung übernimmt, während zuhause gerade niemand Verantwortung sichtbar übernimmt.

Ein kurzes Statement?
Ein Zeichen politischer Aufmerksamkeit?
Ein „Wir haben das im Blick“?

Stattdessen: Schweigen mit französischem Akzent.

Es hatte etwas von:
„Haltet durch, ich kläre gerade die Weltlage.“


Führung heißt nicht überall sein – aber irgendwo

Niemand erwartet, dass ein Kanzler Kabel repariert oder ein Bürgermeister persönlich Sicherungen reindreht.
Aber Führung bedeutet:

  • Präsenz in der Krise
  • Kommunikation, bevor Gerüchte übernehmen
  • das Gefühl, dass jemand am Steuer sitzt, auch wenn das Licht aus ist

Was Berlin bekam, war etwas anderes:

  • ein Bürgermeister im Rückzugsmodus
  • ein Kanzler auf Auslandsmission
  • und eine Bevölkerung, die sich fragte, wer hier eigentlich zuständig ist

Fazit: Wenn es dunkel wird, sieht man, wer fehlt

Diese Krise hat weniger über Extremisten verraten als über politische Reflexe:

  • Wegducken statt Auftreten
  • Terminlogik statt Priorität
  • Symbolpolitik statt Führung

Der Bürgermeister schloss sich ein.
Der Kanzler flog weg.
Und Berlin stand da – im Dunkeln, wortwörtlich und politisch.

Vielleicht sollte man für die Zukunft vorsorgen:
Nicht nur Notstromaggregate anschaffen,
sondern auch Notfall-Führung.

Denn eins hat dieser Blackout gezeigt:
Strom kann ausfallen – Führung offenbar auch.


Blind links? Wenn Terror nur dann Terror ist, wenn er nicht von links kommt

Es gibt in Deutschland eine merkwürdige optische Störung.
Sie tritt bevorzugt in Ministerien, Redaktionsstuben und Talkshows auf.
Das rechte Auge sieht alles.
Das linke Auge – nun ja – scheint dauerhaft geschlossen.

Ein Brandanschlag legt Teile Berlins lahm. Infrastruktur wird sabotiert, Zehntausende sind betroffen, Krankenhäuser, Betriebe, Haushalte. Das Wort Terror liegt auf der Hand.
Doch statt klarer, reflexartiger Verurteilung erleben wir erst einmal: Zögern, Relativieren, Einordnen, Abwarten.

Man fragt sich:
Wäre die Reaktion dieselbe gewesen, hätte man statt „linksextrem“ ein anderes Etikett auf den Täter geklebt?


Wenn es von rechts kommt, ist alles sofort klar

Das Drehbuch kennt man:

  • sofortige Sondersendungen
  • „Wehret den Anfängen“
  • „Das ist ein Angriff auf unsere Demokratie“
  • lückenlose politische Empörung

Kommt die Gewalt aber von links, dann heißt es plötzlich:

  • „Hintergründe müssen geprüft werden“
  • „Man darf nicht pauschalisieren“
  • „Das ist nicht die echte Linke“

Eine bemerkenswerte Logik:
Linke Gewalt ist offenbar nur ein Kommunikationsproblem. Rechte Gewalt ist ein Weltuntergang.


Linker Terror? Klingt irgendwie… unpraktisch

Das Wort selbst scheint vielen schwer über die Lippen zu kommen.
„Terror“ – das ist im politischen Berlin offenbar ein exklusiver Begriff, der nur in eine Richtung vergeben wird.

Dabei ist die Sache eigentlich simpel:

  • Wer Infrastruktur angreift
  • wer bewusst zivile Folgen in Kauf nimmt
  • wer Angst, Chaos und Druck erzeugt

der betreibt Terror – unabhängig vom politischen Vorzeichen.

Doch genau hier beginnt das große Schweigen.
Oder schlimmer: das verständnisvolle Nicken.


Die politische Blindstelle

Vielleicht liegt es daran, dass linke Ideologie in vielen Institutionen nicht als Gefahr, sondern als Missverständnis mit guten Absichten gilt.
Der Gedanke scheint zu sein:
Wer „gegen Kapitalismus“ ist, kann ja kein wirklicher Bösewicht sein.

So entsteht eine gefährliche Schieflage:

  • Linker Extremismus wird verharmlost
  • Linke Gewalt wird kontextualisiert
  • Linke Täter werden erklärt, nicht verurteilt

Man kennt das Vokabular:
„Wut“, „Frust“, „gesellschaftliche Ursachen“.
Alles Dinge, die merkwürdigerweise immer dann wichtig sind, wenn es politisch passt.


Und die Politik? Beschäftigt – aber woanders

Währenddessen:

  • Der Bürgermeister zieht sich zurück
  • Der Kanzler ist auf Weltreise
  • und das klare politische Signal bleibt aus

Nicht etwa, weil man nichts sagen könnte.
Sondern vielleicht, weil man nicht sagen will, was gesagt werden müsste:
Dass linker Terror existiert.
Und dass man ihn genauso bekämpfen müsste wie jeden anderen.


Fazit: Demokratie ist nicht halbblind gedacht

Eine Demokratie, die Extremismus nur dann ernst nimmt, wenn er von der „falschen“ Seite kommt, betreibt keine wehrhafte Ordnung – sondern ideologische Selbsttäuschung.

Wer auf dem linken Auge blind ist, stolpert irgendwann.
Und Berlin ist gerade ziemlich unsanft gestolpert.

Vielleicht wäre es an der Zeit, die Sehhilfe zu wechseln.
Oder zumindest beide Augen aufzumachen – bevor wieder das Licht ausgeht.