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Das Märchen von den Reparationszahlungen

Eingefroren, aufgetaut, abkassiert – und wer zahlt am Ende? Natürlich wir.

In Brüssel hat man dieser Tage wieder einmal Großes beschlossen. Oder besser: Man hat beschlossen, nichts zu beschließen – außer neue Schulden. Das eingefrorene russische Geld bleibt erst einmal eingefroren. Nicht etwa aus moralischer Zurückhaltung, sondern weil man sich nicht einig ist, wie man fremdes Vermögen möglichst elegant enteignet, ohne das Wort Enteignung zu benutzen.

Aber keine Sorge: Die Ukraine bekommt trotzdem Geld. Nicht aus Moskau, sondern aus Brüssel. Und Brüssel bekommt Geld – nun ja, von uns. Willkommen in der immer gleichen europäischen Choreografie.

Die schöne neue Welt der selektiven Rechtsstaatlichkeit

Konservative Gemüter reiben sich verwundert die Augen: Seit wann ist es eigentlich akzeptabel, Vermögenswerte eines Staates „vorsorglich“ einzuziehen, weil man vielleicht irgendwann einen moralisch einwandfreien Verwendungszweck dafür findet? Früher nannte man so etwas Willkür. Heute heißt es „wertebasierte Außenpolitik“.

Natürlich wird beteuert, alles geschehe streng rechtsstaatlich. Das klingt ungefähr so beruhigend wie die Zusicherung eines Taschendiebs, er greife nur in moralisch fragwürdige Jackentaschen.

Was man dabei gern übersieht: Wenn Europa einmal anfängt, fremde Staatsvermögen politisch zu verwerten, dann ist das kein Präzedenzfall, sondern ein Warnsignal an die halbe Welt. Wer legt künftig noch seine Reserven in Euro an, wenn Brüssel nach Tageslage entscheidet, wem das Geld „eigentlich“ gehört?

Russland zahlen lassen? Ein Märchen für Erwachsene

Die Vorstellung, Russland werde eines Tages brav Reparationszahlungen leisten, gehört in dieselbe Kategorie wie das Einhorn im Stadtpark oder der ausgeglichene EU-Haushalt. Russland wird NIE IM LEBEN zahlen. Nicht freiwillig, nicht vollständig und ganz sicher nicht in der Höhe, die in Brüsseler PowerPoint-Präsentationen herumgeistert.

Und was passiert, wenn die Realität wieder einmal die Moral überholt? Dann wird das Defizit „solidarisch“ verteilt. Solidarisch heißt in der EU bekanntlich: Deutschland vorneweg, mit Portemonnaie und gesenktem Blick.

Deutschland – Zahlmeister aus Prinzip

Wer ist und bleibt der Zahlmeister der Welt?

Man muss kein Zyniker sein, um zu ahnen, wer am Ende den größten Teil der Rechnung übernimmt. Es ist das Land, das immer dann einspringt, wenn niemand sonst mehr Lust hat: wirtschaftsstark, politisch zahm, moralisch leicht erpressbar.

Während andere Staaten Bedenken anmelden, Bedingungen stellen oder schlicht blockieren, nickt Berlin pflichtbewusst – in der Hoffnung, wenigstens beim nächsten Gipfel nicht ganz so böse angeschaut zu werden. Spoiler: Das klappt nie.

Außenpolitik mit dem Brecheisen

Konservative Skepsis richtet sich nicht gegen Hilfe für die Ukraine. Sie richtet sich gegen eine Außenpolitik, die glaubt, langfristige internationale Beziehungen ließen sich mit moralischem Furor und kurzfristigen Finanztricks ersetzen.

Man kann Russland kritisieren, sanktionieren, isolieren – alles legitim. Aber wer glaubt, man könne gleichzeitig Weltpolizist, Weltbank und Weltgerichtshof spielen, ohne dass es irgendwann teuer wird, der hat entweder ein sehr kurzes Gedächtnis oder wohnt nicht in Europa.

Fazit

Das russische Geld bleibt eingefroren, die Schulden werden aufgetaut, und Deutschland darf wieder erklären, warum „europäische Verantwortung“ leider exakt so viel kostet wie immer. Russland lacht, Brüssel rechnet, Berlin zahlt.

Und irgendwann fragt sich dann wieder niemand, wie es so weit kommen konnte.

Frieden, aber bitte mit deutscher Zieloptik

Ein Plädoyer gegen die neueste Idee, Verantwortung mit Gewehrlauf zu verwechseln

Es ist bemerkenswert, wie zuverlässig deutsche Politik funktioniert:
Sobald irgendwo das Wort „Frieden“ fällt, wird hierzulande geprüft, ob man ihn nicht mit Soldaten absichern könnte. Bewaffnet. Einsatzbereit. Notfalls schießend.

Friedrich Merz hat das erwartungsgemäß elegant formuliert. Er schließt eine Beteiligung deutscher Soldaten nicht aus. Das ist politisches Deutsch für: Ich halte den Finger am Abzug, nenne es aber Besonnenheit.

Frieden bringen mit Gewalt.

Natürlich geht es nicht um Krieg. Nein, nein. Es geht um Sicherheitsgarantien. Dieses Wort ist mittlerweile der rhetorische Ersatz für „militärisches Risiko“, „Eskalationspotenzial“ und „wir hoffen, dass nichts passiert“.


Sicherheitsgarantie – garantiert wofür genau?

Die Grundidee:
Nach einem möglichen Waffenstillstand in der Ukraine sollen europäische Soldaten – eventuell auch deutsche – den Frieden sichern.
Also mitten in einem hochgradig verminten, politisch explosiven Gebiet zwischen zwei Kriegsparteien, von denen eine Atommacht ist.

Das nennt man dann Stabilisierung.

Früher nannte man so etwas „Einmarsch in eine Gefahrenzone“. Heute heißt es „robuste Präsenz“. Klingt fast wie Wellness.


„Nicht ausgeschlossen“ – die feigste Form der Zustimmung

Man muss Friedrich Merz zugutehalten: Er sagt nicht offen „Ja“.
Er sagt nur: Man darf nichts ausschließen.

Das ist dieselbe Logik, mit der man sagt:
„Ich schließe nicht aus, betrunken Auto zu fahren, wenn es sehr wichtig ist.“

Politik liebt diese Formulierung, weil sie alles ermöglicht und nichts verantwortet.


Frieden mit Rückschlagsoption

Besonders beruhigend ist die Nebenbemerkung, dass man auf Angriffe reagieren würde.
Also deutsche Soldaten, die beschossen werden – und zurückschießen.

Aber keine Sorge:
Das wäre dann kein Krieg.
Das wäre eine Friedensmaßnahme mit Munition.

Man fragt sich ernsthaft:
Ab wie vielen Gefallenen heißt es eigentlich nicht mehr „Sicherheitsgarantie“, sondern „wir sind Kriegspartei“?

Oder wird das einfach umetikettiert?


Die Parlamentsarmee – beruhigendes Märchen für Erwachsene

Natürlich wird sofort das große Schlaflied gesungen:
„Der Bundestag entscheidet.“

Als ob das jemals verhindert hätte, dass Einsätze durchgewunken werden, sobald das Wort „historische Verantwortung“ fällt. Dann ist jede Gegenstimme plötzlich „unverantwortlich“, „unsolidarisch“ oder gleich „russlandfreundlich“.

Debatte? Ja.
Ergebnisoffen? Nein.


Deutschlands Lieblingsrolle: moralisch überlegen, praktisch mittendrin

Es ist dieser unstillbare Drang, überall beweisen zu wollen, dass Deutschland „führt“.
Nicht diplomatisch.
Nicht vermittelnd.
Sondern mit Stiefeln.

Man will zeigen, dass man aus der Geschichte gelernt hat – indem man wieder Soldaten in fremde Konflikte schickt, diesmal natürlich mit besseren Motiven.

Spoiler: Gute Motive schützen nicht vor Kugeln. Und sie verhindern keine Eskalation.


Wer Nein sagt, hat es angeblich nicht verstanden

Die Kritiker werden wie immer abgefertigt:
Zu ängstlich.
Zu naiv.
Zu pazifistisch.

Dabei sagen sie etwas radikal Einfaches:
Schickt keine deutschen Soldaten in einen Konflikt, der jederzeit wieder explodieren kann.

Das ist kein Defätismus.
Das ist Selbsterhaltung.


Fazit: Verantwortung heißt auch, es bleiben zu lassen

Frieden lässt sich nicht erzwingen, indem man bewaffnete Europäer zwischen zwei verfeindete Seiten stellt und hofft, dass schon keiner abdrückt.

Eine Sicherheitsgarantie, die deutsche Soldatenleben riskiert, ist keine Garantie – sie ist ein politisches Glücksspiel mit menschlichem Einsatz.

Wer wirklich Frieden will, sollte aufhören, militärische Präsenz als moralische Tugend zu verkaufen.
Und wer wirklich Verantwortung übernehmen will, sollte endlich akzeptieren, dass nicht jeder Konflikt nach deutscher Beteiligung schreit.

Man kann Solidarität zeigen, ohne Soldaten zu schicken.
Man kann für Frieden sein, ohne ihn zu militarisieren.
Und man kann „nicht ausgeschlossen“ sagen – oder man kann ehrlich Nein sagen.

Ich sage: Nein.

Tränen für die Welt

 Trockene Augen für Deutschland

Wenn Friedrich Merz über die Ukraine spricht, wird es weich um die Stimme. Die Stirn legt sich in staatsmännische Falten, der Blick geht irgendwohin zwischen Brandenburger Tor und Weltgewissen, und für einen kurzen Moment wirkt es, als müsse jemand dem CDU-Chef diskret ein Taschentuch reichen. Krieg, Leid, globale Verantwortung – all das scheint ihn hörbar zu bewegen.

Krokodilstränen gibt es nur für andere.


Doch dann die große Frage: Warum eigentlich nur dann?

Denn schaltet man um auf innerdeutsche Themen, herrscht emotionale Hochdruck-Trockenheit. Pflegekollaps? Sachlich. Kinderarmut? Ordentlich abgehakt. Wohnungsnot? Markt regelt. Klimasorgen junger Menschen? Ideologieverdacht. Rentenangst? Rechenfehler der Betroffenen.
Kein Zittern, kein Stocken, nicht einmal ein feuchter Augenwinkel.

Man könnte meinen, je weiter ein Problem geografisch entfernt ist, desto näher geht es ihm emotional. Kiew rührt, Kassel nicht. Mariupol berührt, Mannheim bleibt nüchtern. Vielleicht liegt es daran, dass sich bei internationalen Krisen wunderbar über Moral sprechen lässt, ohne sich mit föderalen Zuständigkeiten, Haushaltszahlen oder Lobbyinteressen herumzuschlagen.

Oder anders gesagt:
Außenpolitik erlaubt Pathos — Innenpolitik verlangt Entscheidungen.

Und Entscheidungen, das weiß Merz, machen selten feuchte Augen, sondern trockene Schlagzeilen. Wer im Inland Emotionen zeigt, könnte ja plötzlich Mitgefühl entwickeln. Oder gar Zweifel. Schlimmstenfalls Empathie.

So bleibt das Bild eines Politikers, der beim Blick auf die Welt leidet —
aber beim Blick auf Deutschland lieber rechnet.

Tränen sind schließlich kein Standortfaktor.