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Brandmauer in Flammen?

Vier Kreuzchen und die große SPD-Panik

Sachsen-Anhalt hat einen AfD-Landtagspräsidenten – und in Berlin wird bereits der politische Feuerlöscher gesucht. Besonders die SPD scheint angesichts von vier geheimnisvollen Stimmen den Untergang der Demokratie zu wittern. Die CDU darf sich derweil fragen lassen, warum sie eigentlich so nervös wirkt.

Es war ein historischer Moment im Landtag von Sachsen-Anhalt: Tobias Rausch von der AfD wurde zum Landtagspräsidenten gewählt.

48 Abgeordnete stimmten für ihn.

AfD und BSW verfügen zusammen allerdings nur über 44 Sitze.

Vier Stimmen sind also irgendwo falsch abgebogen.

Und schon beginnt die politische Schnitzeljagd.

Er wird die Verräter finden!

Die CDU und das Geheimnis der vier Stimmen

Natürlich liegt der Verdacht nahe, dass zumindest einige CDU-Abgeordnete für Rausch gestimmt haben könnten.

Nur: Beweisen lässt sich das nicht.

Die Wahl war geheim.

Die CDU hatte ihren Abgeordneten sogar empfohlen, sich zu enthalten. Tatsächlich gab es fünf Enthaltungen aus den Reihen der CDU – wer die übrigen CDU-Abgeordneten gewählt haben, bleibt geheim.

Damit stehen wir vor einem faszinierenden politischen Rätsel:

Wer hat die vier zusätzlichen Kreuzchen gemacht?

Agatha Christie hätte ihre Freude daran.

Vielleicht war es die CDU. Vielleicht waren es einzelne Abgeordnete anderer Parteien. Vielleicht haben sich vier Parlamentarier gedacht: „Ach komm, wird schon nicht auffallen.“

Und tatsächlich wäre es ziemlich bemerkenswert, wenn ausgerechnet eine geheime Wahl anschließend öffentlich vollständig aufgeklärt werden könnte.

Die SPD entdeckt den Ausnahmezustand

Während die CDU versucht, möglichst wenig zu sagen, hat die SPD offenbar beschlossen, umso mehr zu sagen.

Lars Klingbeil spricht von einem „Tabubruch“.

Die SPD überreicht Rausch demonstrativ das Grundgesetz und eine weiße Rose.

Das ist symbolisch natürlich sehr eindrucksvoll.

Man könnte fast meinen, Sachsen-Anhalt habe gerade die Demokratie abgeschafft.

Dabei wurde – soweit bekannt – weder das Grundgesetz verbrannt noch der Landtag aufgelöst.

Es wurde gewählt.

Geheim.

Und zwar ein Landtagspräsident.

Vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen besitzen.

Das ist politisch interessant.

Aber ist es wirklich der demokratische Weltuntergang?

Willkommen im Zeitalter der politischen Schnappatmung

Die SPD scheint jedenfalls schon einmal den großen Feuerlöscher bereitgestellt zu haben.

Vielleicht sollte man bei Gelegenheit überprüfen, ob die Brandmeldeanlage inzwischen nicht etwas zu empfindlich eingestellt ist.

Denn wenn vier unbekannte Stimmen bereits einen „Tabubruch“ darstellen, was passiert dann erst, wenn jemand tatsächlich eine Koalition mit der AfD bildet?

Dann vermutlich:

Sirenen. Blaulicht. Sondersendungen. Sondersitzungen. Sondersondersitzungen.

Und vermutlich eine Pressekonferenz mit der Überschrift:

„Deutschland: Bitte bewahren Sie Ruhe.“

Die CDU bekommt trotzdem ihr Fett weg

Ganz unschuldig ist die CDU natürlich nicht.

Nicht, weil bewiesen wäre, dass CDU-Abgeordnete Rausch gewählt haben.

Das ist eben gerade nicht bewiesen.

Sondern weil die ganze Angelegenheit zeigt, wie schwierig die Position der CDU inzwischen geworden ist.

Man kann die AfD nicht wählen.

Man kann sie aber auch nicht daran hindern, gewählt zu werden.

Man darf nicht mit ihr zusammenarbeiten.

Man darf aber natürlich auch nicht jede geheime Abstimmung kontrollieren.

Und wenn plötzlich vier Stimmen auftauchen, die niemand erklären kann, schaut die Öffentlichkeit automatisch auf die CDU.

Das muss für die Christdemokraten ungefähr so angenehm sein wie eine Steuerprüfung kurz vor Weihnachten.

Und dann verliert die SPD auch noch ihren eigenen Vizepräsidenten

Besonders hübsch wird die Geschichte dadurch, dass anschließend der SPD-Kandidat für das Amt des Landtagsvizepräsidenten scheiterte.

48 Abgeordnete stimmten gegen Armin Willingmann.

48!

Exakt so viele, wie zuvor für Rausch gestimmt hatten.

Zufall?

Natürlich.

Vielleicht.

Möglicherweise.

Oder vielleicht auch nicht.

Denn auch diese Wahl war geheim.

Das bedeutet: Niemand weiß es.

Und genau deshalb wäre es vielleicht ganz hilfreich, wenn alle Beteiligten einmal tief durchatmen würden.

Eine geheime Wahl ist kein Mitgliederregister

Das scheint in der aktuellen Aufregung ein wenig unterzugehen.

Bei einer geheimen Wahl soll gerade nicht nachvollziehbar sein, wer wen gewählt hat.

Das ist kein technischer Fehler.

Das ist Absicht.

Wenn also 48 Menschen für Rausch stimmen, kann man zählen.

Wenn man anschließend wissen möchte, welche vier Personen zusätzlich zur AfD und zum BSW für ihn gestimmt haben, stößt man auf ein kleines Problem:

Das Kreuzchen hat keinen Namen.

Skandal!

Demokratie funktioniert tatsächlich wie vorgesehen.

Die große Frage lautet deshalb eigentlich anders

Die interessante politische Frage ist nicht:

„Hat die CDU die AfD gewählt?“

Denn das wissen wir nicht.

Die interessante Frage lautet:

„Warum ist es inzwischen überhaupt denkbar, dass Abgeordnete der CDU oder anderer Parteien einem AfD-Kandidaten ihre Stimme geben?“

Das ist eine legitime politische Debatte.

Darüber kann man diskutieren.

Man kann die Positionen der Parteien vergleichen.

Man kann das Abstimmungsverhalten kritisch hinterfragen.

Aber vielleicht braucht man dafür nicht gleich den Untergang des Abendlandes auszurufen.

Die Brandmauer bekommt einen TÜV-Termin

Vielleicht sollte die deutsche Politik ohnehin einmal überlegen, ob sie den Begriff „Brandmauer“ nicht etwas sparsamer verwendet.

Denn mittlerweile wird jede politische Begegnung mit der AfD behandelt, als würde jemand mit einem Benzinkanister durch den Bundestag laufen.

Dabei gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen:

„Ein AfD-Abgeordneter wird gewählt“

und

„Eine andere Partei bildet mit der AfD eine Regierung.“

Das eine ist passiert.

Das andere ist daraus nicht automatisch entstanden.

Fazit: Vier Stimmen und ein gigantisches politisches Theater

Am Ende bleiben einige bemerkenswerte Fakten:

  • Die AfD stellt in Sachsen-Anhalt erstmals den Landtagspräsidenten.
  • Rausch erhielt 48 Stimmen.
  • AfD und BSW verfügen zusammen über 44 Sitze.
  • Woher die vier zusätzlichen Stimmen kamen, ist wegen der geheimen Wahl nicht bekannt.
  • Die CDU kann nicht wissen, wer was gewählt hat.
  • Und die SPD reagiert, als hätte jemand gerade die Brandmauer persönlich angezündet.

Vielleicht wäre etwas mehr Gelassenheit angebracht.

Denn eine Demokratie muss auch geheime Abstimmungen aushalten.

Und vielleicht sollte man sich gelegentlich daran erinnern:

Nicht jedes unerwartete Wahlergebnis ist gleich der Beginn des Dritten Weltkriegs.

Manchmal sind es einfach nur vier Kreuzchen.

Die spannende Frage ist nur, wer sie gemacht hat.

Und solange das niemand weiß, bleibt der größte Gewinner dieser Geschichte möglicherweise nicht die AfD, nicht die CDU und auch nicht die SPD.

Sondern der gute alte geheime Stimmzettel.

Der hält nämlich dicht.

Masken, Baby, Sardinen

Jens Spahn und die wundersame Karriere des politischen Comebacks

Krank? Familienurlaub? Politische Auszeit? Hauptsache, der Lebenslauf bleibt spannend.

Es gibt Politiker, die machen einen Fehler und treten zurück.

Und dann gibt es Jens Spahn.

Der macht einen Fehler, tritt zurück, bekommt einen neuen Posten, fehlt bei einer wichtigen Sitzung, wird mit Baby auf Sardinien fotografiert, sorgt erneut für Ärger – und gibt anschließend den neuen Posten wieder ab.

Man muss neidlos anerkennen: Das ist eine bemerkenswerte Form von politischer Nachhaltigkeit.

Vom Fraktionschef zum Ausschuss-Flüchtling

Im Juli war Spahn als Unionsfraktionschef zurückgetreten. Anfang September bekam er trotzdem wieder einen wichtigen parlamentarischen Posten: den Sitz im Haushaltsausschuss.

Das Comeback sollte offenbar schnell gehen.

Sehr schnell.

Vielleicht sogar zu schnell.

Denn kaum war Spahn im Haushaltsausschuss angekommen, stand bereits die nächste Episode auf dem Programm.

Während der Bundestag tagte, fehlte Spahn bei einer Sitzung. Als Begründung wurden familiäre Gründe genannt. Aus dem Ausschuss hieß es, die Abwesenheit habe mit dem kranken Kind zu tun gehabt. Spahns Sprecher erklärte dagegen, Spahn sei ordnungsgemäß aus familiären Gründen entschuldigt gewesen und habe sich nicht selbst krankgemeldet.

Und dann kam Sardinien.

Dort wurde Spahn gemeinsam mit seinem Ehemann und dem Baby am Flughafen von Olbia fotografiert.

Das Foto landete bei „Bild“.

Die Überschrift war ungefähr so subtil wie ein Vorschlaghammer:

„Familienurlaub statt Bundestag.“

Der Artikel verschwand anschließend wieder. „Bild“ erklärte, das Foto sei in einem privaten Rahmen entstanden und habe gegen interne Richtlinien verstoßen.

Arbeiten ist nicht so sein Ding. Man muss Prioritäten setzen.


Damit war das politische Rätsel perfekt:

Ist Sardinien jetzt eine Krankheit?

Oder ist die neue politische Definition von „familiären Gründen“ schlicht:

„Der Bundestag kann warten, das Mittelmeer nicht.“

Natürlich wäre das unfair.

Denn Spahn bestreitet ausdrücklich, krankgeschrieben gewesen zu sein. Und er war nach den vorliegenden Berichten auch entschuldigt. Außerdem war eine Vertretung organisiert.

Aber Politik ist manchmal brutal.

Vor allem dann, wenn man gerade versucht, nach einem Rücktritt ein Comeback hinzulegen.

Die Union bekommt Schnappatmung

Innerhalb der Union kam die Sardinien-Geschichte jedenfalls nicht besonders gut an.

Nach ARD-Informationen forderten mehrere Mitglieder der Arbeitsgruppe Haushalt sogar, Spahn aus dem Ausschuss zu werfen. Schließlich stand eine Art Bewährungsfrist im Raum.

Man kann sich die Sitzung ungefähr vorstellen:

„Jens, wir müssen reden.“

„Worüber?“

„Über deine Anwesenheit.“

„Ich war doch da.“

„Nein.“

„Aber ich war auf Sardinien.“

„Genau.“

„Mit meinem Baby.“

„Das macht es nicht besser.“

„Aber schöner.“

Und damit war das Comeback eigentlich schon wieder Geschichte.

Am 28. September zog Spahn schließlich selbst die Konsequenz und verzichtete auf seinen Sitz im Haushaltsausschuss. Er erklärte, alles rund um seine Person sei derzeit so politisiert, dass normales Arbeiten kaum möglich sei. Außerdem sei sein Rücktritt als Fraktionschef im Juli noch zu frisch gewesen, um schon wieder „voll durchzustarten“.

Das muss man erst einmal schaffen:

Ein Comeback zu starten, um anschließend festzustellen, dass das Comeback zu früh war.

Wie viele Folgen hat diese Serie eigentlich?

Und jetzt darf man sich schon fragen:

Wie viele politische Kontroversen braucht es eigentlich noch, bis Jens Spahn endgültig aus der ersten Reihe verschwindet?

Rücktritt als Fraktionschef.

Neuer wichtiger Ausschussposten.

Sardinien-Affäre.

Interner Ärger.

Bewährungsfrist.

Und schließlich wieder der Rückzug.

Das erinnert weniger an eine politische Karriere als an eine Netflix-Serie mit ständig wechselnder Besetzung.

„Jens Spahn – Comeback Impossible“

Staffel 1: Fraktionschef.

Staffel 2: Rücktritt.

Staffel 3: Haushaltsausschuss.

Staffel 4: Sardinien.

Staffel 5: Rückzug.

Und die Zuschauer fragen sich:

Wann kommt endlich das Serienfinale?

Merz, Spahn, Amthor – die CDU als unbeabsichtigte Comedy-Truppe?

Und dann gibt es da noch ein größeres Problem.

Denn Spahn ist nicht der einzige CDU-Politiker, bei dem man sich inzwischen fragen könnte, ob die eigene Partei eigentlich noch weiß, wie man politische Schlagzeilen vermeidet.

Friedrich Merz sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.

Philipp Amthor sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.

Jens Spahn sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.

Und irgendwo sitzt vermutlich inzwischen ein AfD-Wahlkampfstratege und sagt:

„Bitte weiter so.“

Natürlich wäre es falsch, daraus zu behaupten, Merz, Spahn oder Amthor würden tatsächlich für die AfD arbeiten.

Dafür gibt es keinen Beleg.

Aber eine andere Frage darf man durchaus stellen:

Was muss eine politische Konkurrenz eigentlich noch tun, wenn die Konkurrenz ihr die besten Schlagzeilen selbst produziert?

Die AfD muss schließlich nicht jeden politischen Gegner persönlich attackieren, wenn dieser regelmäßig selbst für neue Angriffsflächen sorgt.

Das ist keine geheime Zusammenarbeit.

Das ist eher die politische Variante von:

„Danke, dass ihr das für uns erledigt.“

Und genau darin liegt die bittere Pointe.

Politische Fehler und interne Streitigkeiten können das Vertrauen in Parteien beschädigen. Gerade nach jüngsten AfD-Erfolgen wird innerhalb der Union deshalb auch darüber diskutiert, welche Auswirkungen solche Vorgänge auf die eigene politische Glaubwürdigkeit haben.

Vielleicht braucht die CDU einfach einen neuen Kalender

Vielleicht sollte die CDU deshalb einen neuen Kalender einführen.

Montag:
Regieren.

Dienstag:
Nicht zurücktreten.

Mittwoch:
Nicht auf Sardinien erwischt werden.

Donnerstag:
Keine neuen Kontroversen produzieren.

Freitag:
Keine Interviews geben.

Wochenende:
Bitte nichts posten.

Und für Jens Spahn gibt es noch einen zusätzlichen Termin:

„Comeback frühestens nach erfolgreicher Teilnahme an drei aufeinanderfolgenden Sitzungen.“

Natürlich könnte man auch einfach die deutlich langweiligere Lösung wählen:

Politiker nehmen ihre parlamentarischen Aufgaben wahr, erklären ihre Abwesenheiten transparent und vermeiden unnötige neue Baustellen.

Aber wo bliebe dann die Unterhaltung?

Denn eines muss man der Union lassen:

Für politische Satire liefert sie derzeit zuverlässig Nachschub.

Und Jens Spahn?

Der hat seinen Sitz im Haushaltsausschuss inzwischen wieder abgegeben.

Man darf gespannt sein, welcher Posten als Nächstes für sein Comeback ausgewählt wird.

Vielleicht Reiseausschuss.

Dann wäre Sardinien wenigstens fachlich einschlägig.

Amthor und der Strandkorb

Wenn die CDU untergeht, aber wenigstens bequem

Von der politischen Krise direkt in den Strandkorb: Die neue ZDF-Doku „Inside CDU“ liefert unfreiwillig eine der schönsten Vorlagen für politische Satire seit Langem. Philipp Amthor zieht ins Kanzleramt – und offenbar gleich mit Urlaubsgefühl.

Vom Kofferträger zum echten Staatsmann!

Die CDU steckt in einer Krise. Die Zustimmungswerte sinken, die AfD zieht vorbei, bei Landtagswahlen hagelt es Niederlagen und im Kanzleramt dürfte man sich zunehmend fragen, wie man eigentlich noch erklären soll, dass alles ganz anders läuft als geplant.

Und dann kommt Philipp Amthor.

Mit einem Strandkorb.

Auf dem Balkon des Kanzleramts.

Man muss dem ZDF beinahe dankbar sein. Keine Satirikerin, kein Satiriker hätte sich diese Szene besser ausdenken können.

„Ja, das sieht doch super aus“

In der zweiten Staffel von „Inside CDU“ wird der politische Aufstieg Amthors begleitet. Der junge CDU-Politiker hat inzwischen einen Posten als Staatsminister im Kanzleramt und darf dort offenbar nicht nur über Bund und Länder nachdenken, sondern auch über die optimale Ausrichtung eines Strandkorbs.

Als das gute Stück auf die Terrasse gerollt wird, begutachtet Amthor es zufrieden.

„Ja, das sieht doch super aus.“

Und tatsächlich: Was könnte besser zur aktuellen Lage der Union passen?

Die Partei steckt politisch im Stau – Amthor steckt im Strandkorb.

Während draußen die politische Großwetterlage zunehmend ungemütlich wird, wird drinnen offenbar schon einmal für die persönliche Komfortzone vorgesorgt.

Amthor erklärt, dass er den Strandkorb im unwahrscheinlichen Fall einer Erholung einfach in Richtung Kanzlergarten drehen könne.

„Im unwahrscheinlichen Fall, dass ich den mal nutze zum Erholen.“

Ein Satz, der vermutlich nur noch von „Im unwahrscheinlichen Fall, dass die CDU irgendwann wieder gewinnt“ übertroffen werden könnte.

Willkommen im Kanzler-Strandbad

Natürlich ist ein Strandkorb kein Skandal.

Ein Politiker darf einen Strandkorb mögen. Ein Politiker darf sich auf seinem Balkon hinsetzen. Und vermutlich darf sogar ein CDU-Politiker gelegentlich Urlaub von der politischen Realität machen.

Das Problem ist eher das Gesamtbild.

Die Doku zeigt eine Partei, die mit sinkenden Zustimmungswerten und wachsendem politischen Druck kämpft.

Und mittendrin sehen wir einen aufstrebenden Nachwuchspolitiker in einem repräsentativen Büro, mit Dienstwagen und Strandkorb.

Das ist ungefähr so, als würde die Feuerwehr während eines Großbrands eine Reportage drehen und der Einsatzleiter zunächst erklären:

„Das Feuer ist natürlich ein Problem. Aber schauen Sie mal, wie schön mein neuer Liegestuhl steht.“

Die neue politische Komfortzone

Besonders schön wird es durch den Kontext.

Amthor kommt in der Doku nicht gerade aus einer Strandbude an der Ostsee.

Er sitzt inzwischen im Kanzleramt.

Medienberichte verweisen zudem auf eine hochwertige Cassina-Sitzgruppe in seinem Büro, deren Listenpreis bei rund 27.000 Euro liegt.

Und draußen wartet der Strandkorb.

Man könnte fast meinen, das Kanzleramt habe ein neues Konzept entwickelt:

Politik trifft All-inclusive-Urlaub.

  • Bund-Länder-Koordination am Vormittag.
  • Krisensitzung nach dem Mittagessen.
  • Strandkorb ab 15 Uhr.
  • Bei besonders schlechten Umfragewerten wird die Rückenlehne automatisch um drei Grad nach hinten gestellt.

CDU im Sinkflug – Amthor im Liegestuhl

Die Ironie könnte kaum größer sein.

Die ZDF-Doku heißt „Inside CDU“ und soll Einblicke in die Strategien und Krisen der Partei geben. Die zweite Staffel begleitet die Union durch ein politisch schwieriges Jahr.

Und dann liefert ausgerechnet Amthor das perfekte Symbolbild.

Die CDU kämpft darum, wieder Vertrauen zu gewinnen.

Amthor kämpft darum, den Strandkorb richtig auszurichten.

Die CDU sucht nach Antworten.

Amthor sucht den richtigen Blickwinkel auf den Kanzlergarten.

Die CDU will wieder näher an die Bürger.

Amthor ist näher am Sandstrand.

Zumindest gedanklich.

Vielleicht ist das alles ein Missverständnis

Vielleicht haben wir die Szene auch einfach falsch verstanden.

Vielleicht handelt es sich beim Strandkorb gar nicht um ein Symbol politischer Abgehobenheit.

Vielleicht ist es eine neue Form des Krisenmanagements.

„Wie reagieren wir auf sinkende Umfragewerte?“

„Strandkorb.“

„Was tun gegen die AfD?“

„Strandkorb.“

„Wie gewinnen wir verlorenes Vertrauen zurück?“

„Strandkorb nach Westen drehen.“

„Was machen wir, wenn es politisch richtig ungemütlich wird?“

„Dann drehen wir ihn Richtung Kanzlergarten.“

Man muss zugeben: Einen gewissen Pragmatismus kann man dieser Strategie nicht absprechen.

Und plötzlich versteht man die CDU

Vielleicht ist das sogar die wichtigste Erkenntnis der gesamten Dokumentation.

Die Bürgerinnen und Bürger sehen eine politische Partei, die mit großen Problemen kämpft.

Die Politiker sehen eine politische Partei, die mit großen Problemen kämpft.

Und Philipp Amthor sieht offenbar zunächst einmal einen ziemlich schönen Strandkorb.

Das ist keine politische Analyse.

Das ist Satire, die sich praktisch selbst schreibt.

Und so bleibt am Ende nur eine Frage:

Wenn die CDU tatsächlich untergeht – bekommt Amthor dann wenigstens seinen Strandkorb mit?

Denn eines ist sicher:

Wenn schon politische Krise, dann bitte mit Rückenlehne.


Hinweis: Die beschriebenen Szenen und Äußerungen aus der ZDF-Dokumentation beziehen sich auf die dort gezeigten Aufnahmen. Die weitergehenden Vergleiche, Zuspitzungen und Pointen dieses Beitrags sind satirisch.

Keine Beleidigung bitte!

Flachzangen wehren sich: „Wir sind wenigstens nützlich!“

In einem Sommerinterview hat Alice Weidel die regierenden Politiker als „Flachzangen“ bezeichnet. Was zunächst wie eine derbe, aber treffende Beschreibung klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als schwere Beleidigung – allerdings nicht für die Politiker, sondern für das ehrenwerte Handwerkszeug.

Echte Flachzangen verstehen ihr Handwerk.

Eine echte Flachzange ist ein präzises, zuverlässiges und vielseitiges Instrument. Sie greift fest, ohne unnötig zu quetschen. Sie biegt, hält und richtet, was schief ist. Sie funktioniert auch nach Jahren noch, wenn man sie vernünftig behandelt. Und vor allem: Sie tut, wofür man sie bezahlt hat. Keine Ankündigung, kein Sondergipfel, kein „wir prüfen das“, sondern einfach Zupacken.

Vergleicht man damit die regierenden Flachzangen, wird der Skandal offensichtlich. Während das Werkzeug aus der Werkstatt Dinge zusammenhält, halten politische Flachzangen vor allem Pressekonferenzen. Während die echte Zange Spannung aushält, erzeugen die anderen vor allem Spannungen. Die echte Flachzange kann man in die Hand nehmen und sofort merken, dass sie etwas taugt. Bei den politischen Exemplaren braucht man meist mehrere Wahlperioden und einen Untersuchungsausschuss, bis man feststellt, dass sie hauptsächlich leerlaufen.

Noch schlimmer: Die echte Flachzange hat einen klaren Zweck. Die politische Variante dagegen kann man monatelang beobachten, ohne dass man herausfindet, wofür sie eigentlich da ist – außer vielleicht dafür, den Griff immer fester zuzudrehen, wenn man sie kritisiert. Und während man eine gute Flachzange nach Gebrauch ordentlich wegräumt, muss man bei den anderen erstmal eine neue Regierung bilden, bevor irgendetwas wieder funktioniert.

Die Hersteller von Qualitätswerkzeugen sind deshalb verständlicherweise empört. „Wir lassen uns nicht mit Leuten vergleichen, die weder greifen noch biegen noch halten können“, heißt es aus der Branche. „Unsere Zangen haben wenigstens einen festen Stand. Die anderen wackeln schon, wenn der Wind aus einer anderen Richtung kommt.“

Fazit: Alice Weidel wollte die Regierung beleidigen. Stattdessen hat sie unfreiwillig ein solides Werkzeug in den Schmutz gezogen. Die Flachzangen dieser Welt verdienen eine Entschuldigung. Die Politiker dagegen… nun ja. Die haben sich den Vergleich möglicherweise selbst verdient.

Mathe für Merz

Die ganz spezielle Art der Halbierung

Halbierung gelungen!

Magdeburg / Berlin. Großer Jubel im Konrad-Adenauer-Haus! Nun gut, vielleicht lag der Jubel eher auf den Fluren der AfD, aber rein mathematisch betrachtet hat Friedrich Merz sein episches Versprechen voll und ganz gehalten. Wir erinnern uns wehmütig an das Jahr 2018, als der damalige Hoffnungsträger verkündete, er werde die AfD „halbieren“.

Die Landtagswahl liefert nun die eindrucksvolle Wahlen-Prospekt-Version dieses Versprechens ab:

  • AfD: rund 44 Prozent (mehr als verdoppelt und meilenweit stärkste Kraft)
  • CDU: rund 18 Prozent (von ehemals 37,1 Prozent schlichtweg halbiert)

Ein genialer Schachzug der politischen Logik! Wer hat denn je behauptet, dass beim Halbieren die AfD gemeint war? Friedrich Merz hat nie Präzision versprochen, sondern Ergebnisse – und die CDU Sachsen-Anhalt hat geliefert.


Ein Triumph der Verwechslungsgefahren

Politikwissenschaftler stehen vor Rätseln, Marketingstrategen verneigen sich. Offenbar hatte im Wahlkampfzentralarchiv jemand die Zettel vertauscht:

„Chef, Sie sagten doch, wir sollen die Partei mit A halbieren, oder?“
„Nein, du Klappspaten, wir sollten die AfD halbieren! Nicht die eigene auf AfD-Niveau runterprügeln!“

Das Wunder von Magdeburg zeigt jedenfalls, wie pragmatisch die Altparteien mit Wähleraufträgen umgehen. Während die FDP sich konsequent ganz aus dem Landtag verabschiedet hat (mit knapp 2,2 Prozent reicht es traditionell eher für den Senioren-Skatclub als fürs Parlament), liefert die CDU den ultimativen Beweis dafür, dass man Wählerstimmen durch zwei teilen kann, ohne dass ein Rest übrig bleibt.


Was kommt als Nächstes?

Die Wahlergebnisse senden Schockwellen durch das politische Berlin. Doch in den Parteizentralen greift bereits der gewohnte Reflex: Ergebnisanalyse.

  1. Die Ursachenforschung: Es lag definitiv am Wetter, an der Urlaubszeit und natürlich daran, dass der Wähler die feinfühlige Ironie der Christdemokraten nicht verstanden hat.
  2. Die Brandmauer: Wird nun nicht mehr gebaut, sondern mangels Baustoffen als Bastel-Kit von IKEA geliefert.
  3. Der Ausblick: Friedrich Merz arbeitet bereits an seinem nächsten Coup. Nach der erfolgreichen Halbierung der eigenen Partei im Osten soll bis zur nächsten Wahl das Gesamtergebnis halbiert werden.

Herzlichen Glückwunsch nach Magdeburg. Mathematik kann so grausam – und gleichzeitig so lustig sein.