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Berlin wählt Rot

Und bekommt vielleicht den Sozialismus frei Haus

25,7 Prozent für die Linke. Herzlichen Glückwunsch, Berlin. Jetzt wird enteignet – oder zumindest erstmal darüber geredet.

Sozialismus in seinem Lauf…

Berlin hat gewählt.

Und Berlin hat sich offenbar gedacht: Warum sollte man eine Wohnung einfach teuer mieten, wenn man sie auch für ein paar Milliarden Euro Steuergeld kollektiv besitzen kann?

Die Linke ist mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Spitzenkandidatin Elif Eralp will nun den nächsten Schritt gehen: Die großen Wohnungskonzerne sollen vergesellschaftet werden.

Rund 220.000 Wohnungen stehen nach den Plänen der Linken im Visier. Die Partei will den Volksentscheid von 2021 umsetzen.

Berlin bekommt also möglicherweise eine neue Wohnungsmarktstrategie:

Erst wird das Eigentum abgeschafft. Dann wird festgestellt, dass dadurch leider keine einzige neue Wohnung entstanden ist.

Aber keine Sorge.

Das kann man später immer noch als Erfolg verkaufen.

Willkommen zurück, Genosse Wohnungsmarkt

Das Prinzip ist bestechend einfach.

Private Unternehmen besitzen Wohnungen?

Böse.

Der Staat besitzt Wohnungen?

Gut.

Der Staat verschuldet sich, um Wohnungen zu übernehmen?

Sozial.

Der Staat muss anschließend Milliardenkredite bedienen?

Solidarisch.

Und wenn irgendwann das Geld fehlt?

Dann war natürlich der Kapitalismus schuld.

Das ist ungefähr die politische Zauberformel, mit der Berlin offenbar seine Wohnungsnot bekämpfen möchte.

Dabei gibt es nur ein kleines Problem:

Eine Enteignung baut keine Wohnung.

Keine einzige.

Sie verschiebt zunächst einmal Eigentum von A nach B.

Das kann politisch gewollt sein. Es kann rechtlich möglich sein. Es kann als sozialpolitisches Instrument diskutiert werden.

Aber aus einer bestehenden Wohnung werden dadurch eben nicht plötzlich zwei.

Berlin braucht Wohnungen – und plant erstmal den großen Eigentümer-Tausch

Das Timing könnte kaum absurder sein.

Berlin hat ein massives Wohnungsproblem.

Und gleichzeitig geht der Neubau zurück.

2025 wurden in Berlin lediglich 11.027 Wohnungen fertiggestellt. Beim Neubau gab es gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Rückgang.

Was wäre also die klassische Antwort einer Politik, die den Wohnungsmarkt entspannen möchte?

Mehr bauen.

Was ist die spektakulärere Berliner Antwort?

Die Wohnungen, die schon da sind, enteignen.

Das hat ungefähr die Logik eines Restaurants, das zu wenig Sitzplätze hat und deshalb zunächst die Stühle zwischen den Gästen umverteilt.

Am Ende sitzen immer noch genauso viele Menschen im Raum.

Nur die Eigentumsverhältnisse sind interessanter.

Und wer bezahlt den Spaß?

Ah ja.

Die Kleinigkeit mit den Milliarden.

Die Linke will eine öffentlich-rechtliche Konstruktion schaffen, die die Wohnungen übernimmt und dafür Kredite aufnimmt. Je nach Berechnung stehen dabei Milliardenbeträge im Raum.

Bei einer Entschädigung zum Verkehrswert wurden Größenordnungen von mehreren zehn Milliarden Euro diskutiert.

42 Milliarden.

Berlin.

Das ist die Stadt, die regelmäßig Schwierigkeiten hat, Großprojekte pünktlich und innerhalb des Budgets fertigzustellen.

Aber jetzt kommt der große Plan:

Wir kaufen einfach für zig Milliarden Euro einen riesigen Wohnungsbestand und verwalten ihn anschließend selbst.

Was soll da schon schiefgehen?

Vielleicht wird der BER irgendwann noch neidisch.

Der Berliner Sozialismus kommt mit Kreditkarte

Besonders charmant ist die Vorstellung, dass dieser Sozialismus offenbar nicht bar bezahlt wird.

Nein.

Der moderne Berliner Sozialismus kommt auf Pump.

Früher hieß es:

„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Heute heißt es:

„Steuerzahler aller Bezirke, bürgt bitte für unsere Anstalt öffentlichen Rechts!“

Denn genau hier liegt eine der entscheidenden Fragen: Wer trägt letztlich das finanzielle Risiko?

Der Staat.

Und damit der Steuerzahler.

Das ist der vielleicht modernste Sozialismus überhaupt:

Das Eigentum wird kollektiviert, die Schulden auch.

Und was passiert mit den Mieten?

Hier wird es richtig spannend.

Die Linke argumentiert, dass vergesellschaftete Wohnungen dauerhaft günstiger vermietet werden könnten.

Das ist durchaus ein nachvollziehbares politisches Ziel.

Nur muss irgendjemand trotzdem bezahlen:

  • Instandhaltung
  • Sanierung
  • Heizung
  • Dächer
  • Fassaden
  • Aufzüge
  • Modernisierung
  • Personal
  • und natürlich die Kredite

Je billiger der Staat die Wohnungen übernimmt, desto größer können die juristischen und politischen Auseinandersetzungen werden.

Je teurer er sie übernimmt, desto größer wird das finanzielle Problem.

Und irgendwo dazwischen sitzt der Berliner Senat und versucht vermutlich gerade, den Taschenrechner zu hypnotisieren.

Das eigentlich Absurde: Der Wohnungsmarkt braucht Investitionen

Wohnungen entstehen nicht durch Parteitagsbeschlüsse.

Sie entstehen durch:

  • Grundstücke
  • Genehmigungen
  • Planung
  • Bauunternehmen
  • Handwerker
  • Material
  • und Kapital

Genau deshalb warnen Kritiker der Vergesellschaftungspläne vor möglichen negativen Auswirkungen auf Investitionen.

Und hier könnte die Berliner Wohnungsstrategie einen interessanten Kreislauf entwickeln:

Wohnungen sind knapp.

→ Der Staat übernimmt private Wohnungen.

→ Private Investoren werden vorsichtiger.

→ Neubau wird schwieriger oder unattraktiver.

→ Es entstehen weniger Wohnungen.

→ Wohnungen werden noch knapper.

→ Berlin erklärt den Markt für gescheitert.

→ Der Staat übernimmt noch mehr.

Repeat.

Das nennt man dann vermutlich nachhaltige Wohnungspolitik.

Rot-Rot-Grün: Drei Parteien, ein Wohnungsmarkt und sehr viele rote Linien

Und nun soll dieses Programm möglicherweise unter Rot-Rot-Grün umgesetzt werden.

Das wird interessant.

Denn SPD und Grüne müssen nicht nur über Wohnungen sprechen.

Sie müssen sich auch mit den aktuellen Kontroversen innerhalb der Berliner Linken auseinandersetzen – unter anderem über Antisemitismusvorwürfe und die Vorgänge rund um Ferat Koçak und Kontakte ins Umfeld der Remmo-Familie.

Die Koalitionsverhandlungen könnten deshalb ungefähr so aussehen:

Linke:
„Wir wollen 220.000 Wohnungen vergesellschaften.“

SPD:
„Moment.“

Grüne:
„Moment.“

Linke:
„Das war unser Wahlversprechen.“

SPD:
„Und wir haben rote Linien.“

Grüne:
„Wir auch.“

Linke:
„Welche?“

SPD:
„Antisemitismus.“

Grüne:
„Und organisierte Kriminalität.“

Linke:
„Okay.“

SPD:
„Und wie bezahlen wir die Wohnungen?“

Linke:
„Kredite.“

SPD:
„Welche?“

Linke:
„Sehr große.“

Grüne:
„Und wer zahlt die zurück?“

Linke:
„Berlin.“

SPD:
„Und wer ist Berlin?“

Finanzsenator:
„Ich möchte dazu nichts sagen.“

Der Volksentscheid als Dauerabo

Natürlich hat die Linke ein Argument:

2021 stimmten 57,6 Prozent der Abstimmenden für den Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände.

Das war ein politisch relevantes Signal.

Aber es war kein fertiges Enteignungsgesetz.

Und jetzt soll aus einem politischen Votum ein gigantisches staatliches Immobilienprojekt werden.

Man könnte deshalb auch sagen:

Berlin hat 2021 „Ja“ gesagt.

Und 2026 bekommt Berlin die Rechnung.

Nur weiß noch niemand genau, wie hoch sie wird.

Sozialismus mit Excel-Tabelle

Das Faszinierende an der neuen Berliner Politik ist deshalb nicht einmal, dass sie große Unternehmen vergesellschaften möchte.

Das Faszinierende ist die Kombination:

Wohnungsmangel + Milliardenkredite + weniger Neubau + staatliche Bewirtschaftung + politische Steuerung.

Das ist kein klassischer Sozialismus mehr.

Das ist Sozialismus 2.0.

Mit Excel.

Mit Ausschreibungen.

Mit Anstalten öffentlichen Rechts.

Mit Gutachten.

Mit Kommissionen.

Und natürlich mit einem 600-seitigen Koalitionsvertrag, in dem auf Seite 417 steht:

„Die Umsetzung wird geprüft.“

Berlin hat gewählt

Die Berliner wollten Veränderung.

Das Ergebnis ist eindeutig genug: Die Linke ist stärkste Kraft geworden.

Jetzt muss sie zeigen, was sie daraus macht.

Und genau hier wird es spannend.

Enteignung ist leicht zu versprechen.

Bezahlbaren Wohnraum dauerhaft zu schaffen, ist deutlich schwieriger.

Berlin kann 220.000 Wohnungen neu verteilen.

Es kann sie vergesellschaften.

Es kann sie öffentlich verwalten.

Es kann Milliarden dafür ausgeben.

Aber am Ende bleibt eine einfache mathematische Wahrheit:

220.000 übernommene Wohnungen sind immer noch 220.000 Wohnungen.

Wenn Berlin wirklich weniger Wohnungsnot haben will, braucht die Stadt zusätzlich etwas, das politisch wesentlich unspektakulärer ist:

mehr Wohnungen.

Viele mehr.

Und zwar neu gebaut.

Denn mit Enteignung kann man Eigentumsverhältnisse verändern.

Wohnraum zaubern kann sie nicht.

Aber keine Sorge.

Falls das nicht funktioniert, hat Berlin immer noch einen Plan B:

Eine Kommission.

Desaster? Weiter so!

Berlin, 21. September 2026

Es gibt politische Abende, an denen ein Kanzler vor die Kameras tritt, ein Wahlergebnis betrachtet und sich fragt: Was haben wir falsch gemacht?

Dann gibt es Friedrich Merz.

Der Bundeskanzler tritt nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern vor die Kameras, bezeichnet das Ergebnis seiner CDU in Mecklenburg-Vorpommern als „Desaster“ – und erklärt anschließend, dass die notwendigen Reformen natürlich trotzdem kommen müssten. Er selbst werde dafür weiterhin als CDU-Vorsitzender und vor allem als Bundeskanzler zur Verfügung stehen.

Man könnte dieses politische Konzept auch kurz zusammenfassen:

„Ich übernehme die Verantwortung. Deshalb ändere ich nichts.“

Fritz übernimmt Verantwortung für das Land!

Willkommen beim Merz-Prinzip

Die CDU hat in Mecklenburg-Vorpommern 4,89 Prozent erreicht und damit erstmals seit 1949 bei einer Landes-, Bundes- oder Europawahl die Fünf-Prozent-Hürde verpasst. In Berlin kam die CDU laut Hochrechnung auf rund 19 Prozent – deutlich weniger als bei der Wiederholungswahl 2023.

Merz nennt das eine schwierige Situation.

Das ist diplomatisch formuliert.

Man könnte auch sagen: Der Wähler hat der CDU einen Brief geschrieben.

Auf dem Umschlag steht:

„Wir müssen reden.“

Die CDU antwortet:

„Danke für Ihre Nachricht. Wir machen weiter wie bisher.“

Das Desaster als Beweis, dass alles richtig läuft

Besonders faszinierend ist die politische Mathematik, die sich daraus ergibt.

CDU verliert massiv? Reformen müssen kommen.

CDU fliegt aus dem Landtag? Reformen müssen kommen.

CDU verliert in Berlin deutlich? Reformen müssen kommen.

Innerparteilicher Druck steigt? Reformen müssen kommen.

Wähler wenden sich ab? Reformen müssen kommen.

Man wartet eigentlich nur noch gespannt auf den Moment, an dem die CDU bei einer Wahl überhaupt keine Stimmen mehr bekommt.

Dann wird Merz vermutlich vor die Kameras treten und erklären:

„Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, dass wir mit unserem Reformkurs noch nicht weit genug gegangen sind.“

Und irgendwo im Hintergrund wird ein CDU-Mitarbeiter vorsichtig den Parteischatzmeister fragen, ob man die Wahlplakate künftig direkt auf Grabsteine drucken lassen kann.

„Ich übernehme Verantwortung“ – aber bitte ohne Konsequenzen

Merz sprach von „Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“, die jetzt erforderlich seien. Und er werde diese Eigenschaften aufbringen – als Parteivorsitzender und vor allem als Bundeskanzler.

Das ist bemerkenswert.

Denn normalerweise bedeutet politische Verantwortung nach einer schweren Wahlniederlage zumindest, dass man sich fragt, ob der eigene Kurs vielleicht nicht ganz optimal angekommen ist.

Bei Merz funktioniert Verantwortung offenbar anders.

Verantwortung übernehmen heißt: Verantwortung behalten.

Und zwar möglichst lange.

Vielleicht ist das die große politische Innovation des Jahres 2026: Der Rücktritt ist nicht mehr die Konsequenz einer Niederlage, sondern das Gegenteil davon.

Man bleibt einfach so lange, bis die Niederlage irgendwann als Bestätigung der eigenen Standhaftigkeit interpretiert werden kann.

Der Airbag geht auf, aber der Fahrer gibt Gas

Stellen wir uns einen Autofahrer vor.

Er fährt mit 180 Sachen gegen eine Betonwand.

Der Airbag geht auf.

Die Motorhaube liegt drei Meter entfernt.

Der Wagen ist nur noch als Ersatzteilspender interessant.

Der Fahrer steigt aus, schaut sich den Schaden an und sagt:

„Das war ein Desaster. Aber offensichtlich müssen wir jetzt noch etwas mehr Gas geben.“

Genau das ist das Merz-Prinzip.

Nicht die Richtung ändern.

Nicht einmal kurz anhalten.

Einfach weiterfahren.

Mecklenburg-Vorpommern: 4,89 Prozent und voller Reformelan

Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ist dabei besonders pikant.

Die CDU scheiterte mit 4,89 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Ein historischer Tiefpunkt.

Aber keine Sorge:

Der Kanzler bleibt.

Der Parteivorsitzende bleibt.

Der Reformkurs bleibt.

Nur die CDU-Abgeordneten im Schweriner Landtag müssen leider draußen bleiben.

Das hat natürlich nichts mit dem Reformkurs zu tun.

Die CDU wurde schließlich zwischen SPD und AfD „zerrieben“, wie Merz erklärte.

Ein bemerkenswertes Bild.

Die Partei wird von zwei politischen Kräften zermahlen – und die Antwort aus Berlin lautet:

„Mehr Reformen!“

Vielleicht sollte die CDU künftig einfach neue Wahlplakate drucken:

„Wir hören Ihnen zu. Aber wir machen trotzdem weiter.“

Das wäre zumindest ehrlich.

Berlin: „Ordentlich“ ist das neue „Katastrophe vermieden“

In Berlin war die Lage für die CDU ebenfalls alles andere als berauschend. Trotzdem bezeichnete Merz das Ergebnis als „ordentlich“.

Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die deutsche Sprache.

Ordentlich: Ein Wahlergebnis, bei dem man besser nicht allzu lange über die Zahlen spricht.

Vielleicht sollten wir künftig überhaupt neue politische Bewertungskategorien einführen:

  • Historisch: Die Partei verliert den Landtag.
  • Ordentlich: Die Partei verliert deutlich.
  • Stabil: Die Partei verliert weniger als befürchtet.
  • Ermutigend: Die Partei verliert, aber der Parteivorsitzende bleibt.
  • Reformbedarf: Der Wähler hat offensichtlich nicht verstanden, wie genial der bisherige Kurs war.

Und schuld ist natürlich der fehlende Rückenwind

Für das schlechte Abschneiden in Mecklenburg-Vorpommern verwies Merz unter anderem auf den fehlenden „Rückenwind aus Berlin“.

Das ist praktisch.

Wenn der Wind falsch steht, kann man schließlich nichts dafür.

Vielleicht war er einfach ungünstig.

Vielleicht war es Gegenwind.

Vielleicht hat jemand in Berlin das Fenster offen gelassen.

Nur eines darf offenbar nicht passieren:

Dass man die Möglichkeit in Betracht zieht, dass die eigene Politik bei einem Teil der Wähler schlicht nicht besonders gut angekommen ist.

Das politische Perpetuum mobile

Merz erklärt Deutschland für reformbedürftig.

Das Wahlergebnis bestätigt angeblich den Reformbedarf.

Also müssen Reformen kommen.

Diese Reformen werden Belastungen und Unsicherheiten verursachen.

Wenn die Menschen daraufhin unzufrieden werden, ist das wiederum ein Zeichen dafür, dass Deutschland reformbedürftig ist.

Also müssen weitere Reformen kommen.

Und wenn die CDU danach erneut Stimmen verliert?

Ganz klar:

Noch mehr Reformen.

Ein politisches Perpetuum mobile.

Es produziert zwar keine Energie, aber dafür immer neue Begründungen, warum der bisherige Kurs unbedingt fortgesetzt werden muss.

Der Wähler hat gesprochen. Die CDU hört weg.

Das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Wahlabend ist deshalb nicht einmal die Niederlage selbst.

Es ist die Interpretation.

Der Wähler hat gesprochen.

Die CDU hat zugehört.

Und anschließend beschlossen, dass der Wähler vermutlich etwas anderes gemeint hat.

Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant 95 Prozent seiner Gäste verlieren und der Koch erklären:

„Die Leute verstehen unser neues Menü einfach noch nicht. Deshalb erhöhen wir jetzt die Preise und nehmen noch drei Gerichte von der Karte.“

Weiter so – bis es nicht mehr weitergeht

Vielleicht ist das also tatsächlich der neue politische Kurs:

Weiter so.

Aber mit mehr Rückgrat.

Mehr Standhaftigkeit.

Mehr Geduld.

Und vermutlich vor allem mehr Geduld mit den Wählern.

Denn die müssen schließlich noch lernen, dass ein Wahlergebnis zwar demokratisch zustande kommt, aber offenbar nicht automatisch politische Konsequenzen haben muss.

Und so lautet die Botschaft des Kanzlers nach einem historischen Wahldesaster:

„Ich habe verstanden.“

Übersetzt aus dem politischen Merz-Dialekt bedeutet das offenbar:

„Ich habe verstanden, dass ich weitermachen muss.“

Man darf gespannt sein, wie lange dieses Konzept funktioniert.

Denn irgendwann könnte selbst der geduldigste Wähler auf die Idee kommen, dass „Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“ vielleicht Eigenschaften sind, die nicht nur ein Kanzler besitzen sollte.

Vielleicht besitzt der Wähler sie nämlich auch.

Und vielleicht zeigt er sie bei der nächsten Wahl.

Bis dahin gilt:

Das Ergebnis war ein Desaster.

Die Verantwortung wurde übernommen.

Die Konsequenzen wurden vertagt.

Und der Kurs bleibt derselbe.

Willkommen beim „Weiter-so 2.0“.

Es ist der einzige Reformkurs, bei dem selbst eine Niederlage noch als Grund gilt, ihn unverändert fortzusetzen.

Berlin im Blackout

Der Bürgermeister im Krisenmodus

Berlin lag im Dunkeln.
Nicht metaphorisch, sondern ganz real: kein Strom, keine Heizung, kein Netz.
Was ebenfalls ausfiel: Führung, Präsenz und ein Mindestmaß an Kriseninstinkt.

Der Bürgermeister: Rückzug ins Private als Staatsdoktrin

Der Regierende Bürgermeister erklärte später in einem Interview, er habe sich „zuhause eingeschlossen“.
Ein Satz, der in die Berliner Verwaltungsgeschichte eingehen dürfte – irgendwo zwischen Berliner Flughafen und Digitalisierung bis 2035.

Während draußen ein mutmaßlicher Terroranschlag die Infrastruktur lahmlegte, entschied sich der oberste Repräsentant der Stadt für das Modell politische Selbstisolation.
Nicht Krisenstab, nicht sichtbare Führung, nicht ein frühes Signal an die Bevölkerung – sondern: Wohnungstür zu, Rollläden runter, Verantwortung vertagt.

Man könnte fast meinen, das Berliner Krisenhandbuch bestehe aus genau einem Satz:
„Wenn man sich einschließt, erledigt sich das Problem von selbst.“

Berlin im Ausnahmezustand, der Bürgermeister im Home-Office-Modus „Bitte nicht klingeln“.
Führung durch Abwesenheit – eine Berliner Spezialität.


Krisenmanagement: Erst Chaos, dann Fototermin

Natürlich folgte später das Übliche:

  • Besuch beim THW
  • ernste Miene vor Aggregaten
  • Sätze wie „Wir nehmen das sehr ernst“

Nur dumm, dass Krisenmanagement nicht rückwirkend funktioniert.
Wer erst auftaucht, wenn die Lage halb stabil ist, betreibt keine Führung – sondern Schadensbegrenzung für das eigene Image.

Die Stadt wirkte nicht geführt, sondern verwaltet.
Und selbst das eher improvisiert – wie eine Behörde, die überrascht ist, dass Infrastruktur tatsächlich gebraucht wird.


Der Kanzler: Berlin dunkel, Paris hell erleuchtet

Und während Berlin sich mit Kerzen, Powerbanks und kalten Wohnungen behalf, machte der Kanzler das, was deutsche Kanzler besonders gut können: ins Ausland fliegen.

Ziel: Paris.
Thema: Ukraine, natürlich.
Stichwort: „Koalition der Willigen“ – große Worte, große Bühne, große Weltpolitik.

Verstehen wir uns nicht falsch:
Die Ukraine ist wichtig. Europa ist wichtig. Diplomatie ist wichtig.

Aber der Kontrast war bemerkenswert:
Zehntausende ohne Strom in der Hauptstadt – und der Kanzler diskutiert in Paris darüber, wer wie viel Verantwortung übernimmt, während zuhause gerade niemand Verantwortung sichtbar übernimmt.

Ein kurzes Statement?
Ein Zeichen politischer Aufmerksamkeit?
Ein „Wir haben das im Blick“?

Stattdessen: Schweigen mit französischem Akzent.

Es hatte etwas von:
„Haltet durch, ich kläre gerade die Weltlage.“


Führung heißt nicht überall sein – aber irgendwo

Niemand erwartet, dass ein Kanzler Kabel repariert oder ein Bürgermeister persönlich Sicherungen reindreht.
Aber Führung bedeutet:

  • Präsenz in der Krise
  • Kommunikation, bevor Gerüchte übernehmen
  • das Gefühl, dass jemand am Steuer sitzt, auch wenn das Licht aus ist

Was Berlin bekam, war etwas anderes:

  • ein Bürgermeister im Rückzugsmodus
  • ein Kanzler auf Auslandsmission
  • und eine Bevölkerung, die sich fragte, wer hier eigentlich zuständig ist

Fazit: Wenn es dunkel wird, sieht man, wer fehlt

Diese Krise hat weniger über Extremisten verraten als über politische Reflexe:

  • Wegducken statt Auftreten
  • Terminlogik statt Priorität
  • Symbolpolitik statt Führung

Der Bürgermeister schloss sich ein.
Der Kanzler flog weg.
Und Berlin stand da – im Dunkeln, wortwörtlich und politisch.

Vielleicht sollte man für die Zukunft vorsorgen:
Nicht nur Notstromaggregate anschaffen,
sondern auch Notfall-Führung.

Denn eins hat dieser Blackout gezeigt:
Strom kann ausfallen – Führung offenbar auch.


Blind links? Wenn Terror nur dann Terror ist, wenn er nicht von links kommt

Es gibt in Deutschland eine merkwürdige optische Störung.
Sie tritt bevorzugt in Ministerien, Redaktionsstuben und Talkshows auf.
Das rechte Auge sieht alles.
Das linke Auge – nun ja – scheint dauerhaft geschlossen.

Ein Brandanschlag legt Teile Berlins lahm. Infrastruktur wird sabotiert, Zehntausende sind betroffen, Krankenhäuser, Betriebe, Haushalte. Das Wort Terror liegt auf der Hand.
Doch statt klarer, reflexartiger Verurteilung erleben wir erst einmal: Zögern, Relativieren, Einordnen, Abwarten.

Man fragt sich:
Wäre die Reaktion dieselbe gewesen, hätte man statt „linksextrem“ ein anderes Etikett auf den Täter geklebt?


Wenn es von rechts kommt, ist alles sofort klar

Das Drehbuch kennt man:

  • sofortige Sondersendungen
  • „Wehret den Anfängen“
  • „Das ist ein Angriff auf unsere Demokratie“
  • lückenlose politische Empörung

Kommt die Gewalt aber von links, dann heißt es plötzlich:

  • „Hintergründe müssen geprüft werden“
  • „Man darf nicht pauschalisieren“
  • „Das ist nicht die echte Linke“

Eine bemerkenswerte Logik:
Linke Gewalt ist offenbar nur ein Kommunikationsproblem. Rechte Gewalt ist ein Weltuntergang.


Linker Terror? Klingt irgendwie… unpraktisch

Das Wort selbst scheint vielen schwer über die Lippen zu kommen.
„Terror“ – das ist im politischen Berlin offenbar ein exklusiver Begriff, der nur in eine Richtung vergeben wird.

Dabei ist die Sache eigentlich simpel:

  • Wer Infrastruktur angreift
  • wer bewusst zivile Folgen in Kauf nimmt
  • wer Angst, Chaos und Druck erzeugt

der betreibt Terror – unabhängig vom politischen Vorzeichen.

Doch genau hier beginnt das große Schweigen.
Oder schlimmer: das verständnisvolle Nicken.


Die politische Blindstelle

Vielleicht liegt es daran, dass linke Ideologie in vielen Institutionen nicht als Gefahr, sondern als Missverständnis mit guten Absichten gilt.
Der Gedanke scheint zu sein:
Wer „gegen Kapitalismus“ ist, kann ja kein wirklicher Bösewicht sein.

So entsteht eine gefährliche Schieflage:

  • Linker Extremismus wird verharmlost
  • Linke Gewalt wird kontextualisiert
  • Linke Täter werden erklärt, nicht verurteilt

Man kennt das Vokabular:
„Wut“, „Frust“, „gesellschaftliche Ursachen“.
Alles Dinge, die merkwürdigerweise immer dann wichtig sind, wenn es politisch passt.


Und die Politik? Beschäftigt – aber woanders

Währenddessen:

  • Der Bürgermeister zieht sich zurück
  • Der Kanzler ist auf Weltreise
  • und das klare politische Signal bleibt aus

Nicht etwa, weil man nichts sagen könnte.
Sondern vielleicht, weil man nicht sagen will, was gesagt werden müsste:
Dass linker Terror existiert.
Und dass man ihn genauso bekämpfen müsste wie jeden anderen.


Fazit: Demokratie ist nicht halbblind gedacht

Eine Demokratie, die Extremismus nur dann ernst nimmt, wenn er von der „falschen“ Seite kommt, betreibt keine wehrhafte Ordnung – sondern ideologische Selbsttäuschung.

Wer auf dem linken Auge blind ist, stolpert irgendwann.
Und Berlin ist gerade ziemlich unsanft gestolpert.

Vielleicht wäre es an der Zeit, die Sehhilfe zu wechseln.
Oder zumindest beide Augen aufzumachen – bevor wieder das Licht ausgeht.