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Euch fehlt nicht 1 Euro!

Merz hat Geld im Überfluss – nur die Deutschen sollen es nicht merken

100 Milliarden Euro für die Ukraine, marode Schulen, kaputte Infrastruktur und eine Sozialpolitik im Dauerstress. Friedrich Merz erklärt, dass das Geld den Deutschen nicht fehlt. Vielleicht sollte ihm das einmal jemand erklären, der seine Rechnungen selbst bezahlen muss.

Alles für eine gute Sache!

Friedrich Merz hat eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Man kann Milliarden ausgeben, ohne dass sie irgendjemandem fehlen. Zumindest dann, wenn man Bundeskanzler ist und die Milliarden in die Ukraine schickt.

Der Steuerzahler darf sich derweil mit einer bescheideneren Realität begnügen. Kommunen müssen sparen, Schulen warten auf Sanierungen und die Infrastruktur versprüht zunehmend den Charme eines unterlassenen Wartungsvertrags. Bei Pflege, Rente und Gesundheitsversorgung wird über knappe Mittel diskutiert. Beim Bürger sind Verzicht und Solidarität gefragt.

Aber bei Milliardenhilfen? Da ist offenbar alles ganz anders.

100 Milliarden Euro – und plötzlich wird nachgerechnet

Die Bundesregierung beziffert ihre bisherige bilaterale Unterstützung für die Ukraine auf rund 100 Milliarden Euro. Eine gewaltige Summe, gerade für ein Land, das im eigenen Haushalt an allen möglichen Stellen finanzielle Engpässe beklagt.

Das Kiel Institut hat am 8. Oktober 2026 genauer hingeschaut. Demnach lassen sich rund 41,7 Milliarden Euro als tatsächliche bilaterale Hilfe für die Ukraine einordnen. Weitere 35,9 Milliarden Euro wurden in Deutschland ausgegeben, größtenteils für ukrainische Geflüchtete. Rund 22 Milliarden Euro entfallen auf künftige militärische Zusagen.

Die plakative Zahl von 100 Milliarden Euro ist also nicht gleichbedeutend mit 100 Milliarden Euro, die bereits in der Ukraine angekommen sind.

Und nein, damit ist nicht bewiesen, dass die Differenz verschwunden oder gestohlen worden wäre. Aber es wirft eine naheliegende Frage auf: Warum wird mit einer gigantischen Gesamtsumme Politik gemacht, während die tatsächlichen Ausgaben, Verpflichtungen und Empfänger erst mühsam auseinanderdividiert werden müssen?

Wer mit dem Geld der Steuerzahler arbeitet, sollte nicht nur große Zahlen präsentieren können. Er sollte auch erklären können, was damit konkret erreicht wurde.

Wo sind die Milliarden geblieben?

Die Frage ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Die Ukraine hat seit Jahren mit Korruption zu kämpfen. Im November 2025 erschütterte ein großer Korruptionsskandal im Umfeld des staatlichen Atomenergieunternehmens Energoatom das Land. Es ging um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen in einem Umfang von bis zu 100 Millionen US-Dollar. Der Skandal führte zu Rücktritten und neuen Fragen über die politische Verantwortung.

Das ist kein Beweis dafür, dass deutsche Hilfsgelder in diesem Fall veruntreut wurden. Genau diese Verbindung darf man ohne Belege nicht behaupten.

Aber es ist ein Beleg dafür, dass Korruption in einem Land, das enorme internationale Unterstützung erhält, ein reales Problem ist.

Auch die amerikanische Rechnungskontrolle hat Schwachstellen festgestellt. Ein Bericht des US-Entwicklungshilfeinspekteurs vom März 2026 kam zu dem Schluss, dass die Kontrollmechanismen bei direkten Budgethilfen nur begrenzte Sicherheit darüber boten, dass die Mittel wie vorgesehen eingesetzt wurden. Die amerikanische Rechnungskontrollbehörde GAO dokumentierte zudem Schwierigkeiten bei der Überwachung und Bewertung nichtmilitärischer Hilfsprogramme.

Das heißt nicht, dass die Hilfen insgesamt zweckentfremdet wurden. Es heißt aber, dass Kontrolle im Krieg schwierig ist und die Wirksamkeit der eingesetzten Milliarden nicht immer lückenlos nachgewiesen werden kann.

Und jetzt stellen wir uns einmal vor, ein deutscher Bürger würde bei seiner Steuererklärung erklären, er habe zwar eine erhebliche Summe ausgegeben, könne aber nicht für jeden Euro nachvollziehbar belegen, was daraus geworden sei.

Wie viel Verständnis dürfte er erwarten?

Wer Milliarden verteilt, muss auch Milliarden kontrollieren. Solidarität ist kein Freibrief für mangelnde Transparenz.

Gegen Russland gewinnen? Oder nur immer weiterzahlen?

Damit kommen wir zur vielleicht unangenehmsten Frage.

Was genau ist eigentlich das politische Ziel dieser gewaltigen Unterstützung? Die Ukraine verteidigungsfähig halten? Einen Waffenstillstand zu besseren Bedingungen ermöglichen? Russland zur Aufgabe besetzter Gebiete zwingen? Oder einen militärischen Sieg erreichen, der Moskau zur Niederlage zwingt?

Das sind vollkommen unterschiedliche Ziele. Und sie verlangen unterschiedliche Strategien.

Russland ist eine Atommacht mit enormen militärischen Ressourcen. Die Ukraine kämpft um ihre territoriale Integrität und hat jedes Recht, sich gegen den russischen Angriff zu verteidigen. Westliche Unterstützung kann dazu beitragen, einen russischen Sieg zu verhindern und die ukrainische Verhandlungsposition zu stärken.

Aber einen Krieg gegen Russland tatsächlich zu gewinnen, ist eine andere Frage.

Eine 2026 veröffentlichte wissenschaftliche Analyse kommt zu dem Schluss, dass selbst umfangreiche westliche Hilfe wahrscheinlich nicht ausgereicht hätte, um Russland zu einer Niederlage zu zwingen, die sämtliche zentralen Kriegsziele der Ukraine erfüllt.

Das sollte zu einer ehrlichen Debatte führen. Nicht zu der Behauptung, Widerstand sei sinnlos. Aber auch nicht zu der politischen Erzählung, man müsse nur lange genug Waffen und Geld liefern, und am Ende werde sich das Problem schon lösen.

Wie sieht der realistische Endpunkt aus?

Wie viele weitere Milliarden sollen fließen? Wie viele Jahre soll der Krieg noch dauern? Welche militärischen Ziele sind tatsächlich erreichbar? Und welches Risiko ist Europa bereit einzugehen, wenn eine direkte Konfrontation zwischen Russland und der NATO eskaliert?

Dass Russland über Atomwaffen verfügt, bedeutet nicht, dass die Ukraine sich nicht verteidigen darf oder jeder Widerstand aussichtslos wäre. Es bedeutet aber, dass die Eskalationsrisiken besonders ernst genommen werden müssen.

Eine verantwortungsvolle Politik muss deshalb militärische Unterstützung und diplomatische Bemühungen zusammendenken. Wer Milliarden ausgibt, sollte erklären können, welche Strategie dahintersteht und woran ihr Erfolg gemessen wird.

Für die Ukraine Milliarden, für Deutschland Durchhalteparolen?

Niemand verlangt, dass Deutschland seine internationale Verantwortung aufgibt. Aber die eigene Bevölkerung darf erwarten, dass ihre Interessen nicht erst dann wichtig werden, wenn die nächste Wahl ansteht.

Wenn Kommunen ihre Aufgaben kaum noch finanzieren können, Schulen verfallen und die soziale Sicherung unter Druck gerät, dann darf ein Kanzler nicht einfach erklären, dass all das mit den Milliardenhilfen nichts zu tun habe und damit sei die Diskussion beendet.

Haushaltstechnisch kann es durchaus stimmen, dass bestimmte Hilfen aus anderen Finanzierungstöpfen kommen oder über zusätzliche Kreditspielräume ermöglicht werden. Aber diese Töpfe wachsen nicht aus dem Nichts. Schulden verursachen Zinsen. Verpflichtungen wirken langfristig. Und staatliche Ressourcen bleiben begrenzt.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob eine bestimmte Überweisung unmittelbar aus dem Bildungsetat stammt.

Die Frage lautet: Welche Prioritäten setzt die Regierung? Welche Ergebnisse erzielt sie mit den Milliarden? Welche Risiken geht sie ein? Und wie erklärt sie den Bürgern, warum für bestimmte Vorhaben enorme Summen bereitstehen, während andere dringende Aufgaben ungelöst bleiben?

Mein Geld ist kein politischer Blankoscheck

Ich zahle Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Ich erwarte dafür keinen Luxus und keine Sonderbehandlung. Ich erwarte einen funktionierenden Staat, vernünftige Prioritäten und eine Regierung, die ihre Entscheidungen nachvollziehbar begründet.

Die Unterstützung der Ukraine kann aus sicherheitspolitischen Gründen sinnvoll sein. Aber daraus folgt nicht, dass jede Summe gerechtfertigt ist, jede weitere Zusage automatisch richtig ist oder jede Kritik moralisch verwerflich wäre.

Wer 100 Milliarden Euro als politische Erfolgszahl präsentiert, muss sich fragen lassen, wie sich diese Summe zusammensetzt. Wer weitere Milliarden verspricht, muss erklären, welche Ziele damit erreicht werden sollen. Und wer Korruption und Kontrollprobleme kennt, muss sicherstellen, dass Hilfen möglichst wirksam und nachvollziehbar eingesetzt werden.

Vor allem aber muss eine Regierung erklären, wie lange ihre Strategie tragfähig ist.

Denn der Steuerzahler ist kein unerschöpflicher Geldautomat. Und seine Geduld ist es auch nicht.

Herr Merz, ich möchte nicht wissen, aus welchem Haushaltstitel Sie das Geld nehmen. Ich möchte wissen, was es bringt, wie Sie den Erfolg messen und wann Sie bereit sind, Ihre Strategie zu überprüfen.

Wenn Sie darauf überzeugende Antworten haben, dann legen Sie sie auf den Tisch.

Bis dahin bleibt der Eindruck, dass die Bundesregierung Milliarden für einen Krieg mobilisieren kann, dessen realistisches Ende sie nicht überzeugend erklären muss, während sie den Menschen im eigenen Land erzählt, sie sollten sich wegen ihrer finanziellen Sorgen keine falschen Vorstellungen machen.

Vielleicht fehlt das Geld den Deutschen tatsächlich nicht unmittelbar im Sozialetat.

Aber es fehlt ihnen an anderer Stelle. Und vor allem fehlt ihnen eine Politik, die ihnen endlich wieder das Gefühl gibt, dass mit ihrem Geld ebenso verantwortungsvoll umgegangen wird wie mit den großen Versprechen der Regierung.

Masken, Baby, Sardinen

Jens Spahn und die wundersame Karriere des politischen Comebacks

Krank? Familienurlaub? Politische Auszeit? Hauptsache, der Lebenslauf bleibt spannend.

Es gibt Politiker, die machen einen Fehler und treten zurück.

Und dann gibt es Jens Spahn.

Der macht einen Fehler, tritt zurück, bekommt einen neuen Posten, fehlt bei einer wichtigen Sitzung, wird mit Baby auf Sardinien fotografiert, sorgt erneut für Ärger – und gibt anschließend den neuen Posten wieder ab.

Man muss neidlos anerkennen: Das ist eine bemerkenswerte Form von politischer Nachhaltigkeit.

Vom Fraktionschef zum Ausschuss-Flüchtling

Im Juli war Spahn als Unionsfraktionschef zurückgetreten. Anfang September bekam er trotzdem wieder einen wichtigen parlamentarischen Posten: den Sitz im Haushaltsausschuss.

Das Comeback sollte offenbar schnell gehen.

Sehr schnell.

Vielleicht sogar zu schnell.

Denn kaum war Spahn im Haushaltsausschuss angekommen, stand bereits die nächste Episode auf dem Programm.

Während der Bundestag tagte, fehlte Spahn bei einer Sitzung. Als Begründung wurden familiäre Gründe genannt. Aus dem Ausschuss hieß es, die Abwesenheit habe mit dem kranken Kind zu tun gehabt. Spahns Sprecher erklärte dagegen, Spahn sei ordnungsgemäß aus familiären Gründen entschuldigt gewesen und habe sich nicht selbst krankgemeldet.

Und dann kam Sardinien.

Dort wurde Spahn gemeinsam mit seinem Ehemann und dem Baby am Flughafen von Olbia fotografiert.

Das Foto landete bei „Bild“.

Die Überschrift war ungefähr so subtil wie ein Vorschlaghammer:

„Familienurlaub statt Bundestag.“

Der Artikel verschwand anschließend wieder. „Bild“ erklärte, das Foto sei in einem privaten Rahmen entstanden und habe gegen interne Richtlinien verstoßen.

Arbeiten ist nicht so sein Ding. Man muss Prioritäten setzen.


Damit war das politische Rätsel perfekt:

Ist Sardinien jetzt eine Krankheit?

Oder ist die neue politische Definition von „familiären Gründen“ schlicht:

„Der Bundestag kann warten, das Mittelmeer nicht.“

Natürlich wäre das unfair.

Denn Spahn bestreitet ausdrücklich, krankgeschrieben gewesen zu sein. Und er war nach den vorliegenden Berichten auch entschuldigt. Außerdem war eine Vertretung organisiert.

Aber Politik ist manchmal brutal.

Vor allem dann, wenn man gerade versucht, nach einem Rücktritt ein Comeback hinzulegen.

Die Union bekommt Schnappatmung

Innerhalb der Union kam die Sardinien-Geschichte jedenfalls nicht besonders gut an.

Nach ARD-Informationen forderten mehrere Mitglieder der Arbeitsgruppe Haushalt sogar, Spahn aus dem Ausschuss zu werfen. Schließlich stand eine Art Bewährungsfrist im Raum.

Man kann sich die Sitzung ungefähr vorstellen:

„Jens, wir müssen reden.“

„Worüber?“

„Über deine Anwesenheit.“

„Ich war doch da.“

„Nein.“

„Aber ich war auf Sardinien.“

„Genau.“

„Mit meinem Baby.“

„Das macht es nicht besser.“

„Aber schöner.“

Und damit war das Comeback eigentlich schon wieder Geschichte.

Am 28. September zog Spahn schließlich selbst die Konsequenz und verzichtete auf seinen Sitz im Haushaltsausschuss. Er erklärte, alles rund um seine Person sei derzeit so politisiert, dass normales Arbeiten kaum möglich sei. Außerdem sei sein Rücktritt als Fraktionschef im Juli noch zu frisch gewesen, um schon wieder „voll durchzustarten“.

Das muss man erst einmal schaffen:

Ein Comeback zu starten, um anschließend festzustellen, dass das Comeback zu früh war.

Wie viele Folgen hat diese Serie eigentlich?

Und jetzt darf man sich schon fragen:

Wie viele politische Kontroversen braucht es eigentlich noch, bis Jens Spahn endgültig aus der ersten Reihe verschwindet?

Rücktritt als Fraktionschef.

Neuer wichtiger Ausschussposten.

Sardinien-Affäre.

Interner Ärger.

Bewährungsfrist.

Und schließlich wieder der Rückzug.

Das erinnert weniger an eine politische Karriere als an eine Netflix-Serie mit ständig wechselnder Besetzung.

„Jens Spahn – Comeback Impossible“

Staffel 1: Fraktionschef.

Staffel 2: Rücktritt.

Staffel 3: Haushaltsausschuss.

Staffel 4: Sardinien.

Staffel 5: Rückzug.

Und die Zuschauer fragen sich:

Wann kommt endlich das Serienfinale?

Merz, Spahn, Amthor – die CDU als unbeabsichtigte Comedy-Truppe?

Und dann gibt es da noch ein größeres Problem.

Denn Spahn ist nicht der einzige CDU-Politiker, bei dem man sich inzwischen fragen könnte, ob die eigene Partei eigentlich noch weiß, wie man politische Schlagzeilen vermeidet.

Friedrich Merz sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.

Philipp Amthor sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.

Jens Spahn sorgt regelmäßig für Schlagzeilen.

Und irgendwo sitzt vermutlich inzwischen ein AfD-Wahlkampfstratege und sagt:

„Bitte weiter so.“

Natürlich wäre es falsch, daraus zu behaupten, Merz, Spahn oder Amthor würden tatsächlich für die AfD arbeiten.

Dafür gibt es keinen Beleg.

Aber eine andere Frage darf man durchaus stellen:

Was muss eine politische Konkurrenz eigentlich noch tun, wenn die Konkurrenz ihr die besten Schlagzeilen selbst produziert?

Die AfD muss schließlich nicht jeden politischen Gegner persönlich attackieren, wenn dieser regelmäßig selbst für neue Angriffsflächen sorgt.

Das ist keine geheime Zusammenarbeit.

Das ist eher die politische Variante von:

„Danke, dass ihr das für uns erledigt.“

Und genau darin liegt die bittere Pointe.

Politische Fehler und interne Streitigkeiten können das Vertrauen in Parteien beschädigen. Gerade nach jüngsten AfD-Erfolgen wird innerhalb der Union deshalb auch darüber diskutiert, welche Auswirkungen solche Vorgänge auf die eigene politische Glaubwürdigkeit haben.

Vielleicht braucht die CDU einfach einen neuen Kalender

Vielleicht sollte die CDU deshalb einen neuen Kalender einführen.

Montag:
Regieren.

Dienstag:
Nicht zurücktreten.

Mittwoch:
Nicht auf Sardinien erwischt werden.

Donnerstag:
Keine neuen Kontroversen produzieren.

Freitag:
Keine Interviews geben.

Wochenende:
Bitte nichts posten.

Und für Jens Spahn gibt es noch einen zusätzlichen Termin:

„Comeback frühestens nach erfolgreicher Teilnahme an drei aufeinanderfolgenden Sitzungen.“

Natürlich könnte man auch einfach die deutlich langweiligere Lösung wählen:

Politiker nehmen ihre parlamentarischen Aufgaben wahr, erklären ihre Abwesenheiten transparent und vermeiden unnötige neue Baustellen.

Aber wo bliebe dann die Unterhaltung?

Denn eines muss man der Union lassen:

Für politische Satire liefert sie derzeit zuverlässig Nachschub.

Und Jens Spahn?

Der hat seinen Sitz im Haushaltsausschuss inzwischen wieder abgegeben.

Man darf gespannt sein, welcher Posten als Nächstes für sein Comeback ausgewählt wird.

Vielleicht Reiseausschuss.

Dann wäre Sardinien wenigstens fachlich einschlägig.

Pinocchio hat Besseres verdient

Warum Friedrich Merz dem Märchenhelden nicht das Wasser reichen kann

Sie haben Gemeinsamkeiten!

Es gibt Vergleiche, die sind so naheliegend, dass man sie kaum noch hinterfragt. Friedrich Merz und Pinocchio beispielsweise. Der eine verspricht etwas, der andere bekommt eine lange Nase. Der eine erzählt, der andere wird entlarvt. Eine wunderbare Vorlage für politische Satire.

Doch bei genauerem Hinsehen muss man feststellen: Dieser Vergleich ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit – gegenüber Pinocchio.

Pinocchio wollte ein richtiger Mensch werden

Pinocchio war ein kleiner Holzjunge mit großen Träumen. Er wollte dazugehören, wollte ein richtiger Mensch werden und musste auf seinem Weg lernen, dass man mit Lügen, leeren Versprechungen und falschen Freunden nicht besonders weit kommt.

Natürlich machte er Fehler. Er ließ sich verführen, vertraute den Falschen und geriet immer wieder in Schwierigkeiten. Aber Pinocchio hatte eine entscheidende Schwäche, die ihn gleichzeitig sympathisch machte: Er besaß ein Gewissen.

Wenn er log, wuchs seine Nase. Wenn er sich falsch verhielt, musste er die Konsequenzen tragen. Und irgendwann begriff er, dass man Verantwortung nicht einfach an andere delegieren kann.

Friedrich Merz hingegen hat die politische Karriereleiter längst erklommen. Er ist Bundeskanzler geworden, ohne dass ihm dafür eine einzige Holzschicht entfernt werden musste.

Und während Pinocchio wenigstens noch den Wunsch hatte, ein besserer Mensch zu werden, scheint Merz vor allem daran interessiert zu sein, ein möglichst erfolgreicher Kanzler zu bleiben.

Das Wahlversprechen: Ein Märchen mit offenem Ende

Erinnern wir uns an das große Versprechen, mit dem Merz im Wahlkampf auftrat: die sogenannte Remigration.

Ein Begriff, der bei seinen Anhängern Hoffnungen weckte und bei seinen Gegnern erhebliche Befürchtungen auslöste. Merz präsentierte sich als Politiker, der endlich durchgreifen werde. Schluss mit der bisherigen Migrationspolitik, Schluss mit den Ausreden, Schluss mit dem politischen Weiter-so.

Und dann kam die Regierungswirklichkeit.

Plötzlich mussten Kompromisse geschlossen, Koalitionspartner berücksichtigt und politische Versprechen in die Welt der realisierbaren Maßnahmen übersetzt werden.

Das ist in einer Demokratie grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Wahlversprechen sind schließlich keine Naturgesetze, und Regierungsarbeit besteht nicht darin, jedes Wahlkampfwort ungeachtet aller Umstände in die Tat umzusetzen.

Doch für einen Politiker, der sich so gerne als Mann der klaren Ansagen präsentiert, ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit besonders unangenehm.

Pinocchio hätte vermutlich wenigstens zugegeben, dass er sich übernommen hat.

Merz dagegen darf sich fragen lassen, ob sein Wahlversprechen jemals mehr war als ein politischer Köder, der nach der Wahl diskret wieder vom Haken genommen wurde.

Die Märchenfigur wurde für ihre Lügen bestraft. In der Politik hingegen kann es offenbar schon als Erfolg gelten, wenn sich nach der Wahl niemand mehr so genau an die ursprüngliche Geschichte erinnern möchte.

Die Nase wächst – aber nur in der Opposition

Bei Pinocchio war die Sache denkbar einfach: Eine Lüge, eine längere Nase.

Ein herrlich unkompliziertes System. Keine Talkshows, keine Pressekonferenzen, keine nachgeschobenen Erläuterungen durch Regierungssprecher.

Bei Friedrich Merz ist das komplizierter.

Wenn ein Versprechen nicht eingehalten wird, ist es plötzlich ein Missverständnis. Wenn eine Aussage nicht mehr zur aktuellen Regierungspolitik passt, war sie angeblich anders gemeint. Und wenn die Realität den eigenen Ankündigungen widerspricht, muss man eben erklären, dass die Dinge in der Zwischenzeit etwas komplizierter geworden sind.

Man könnte beinahe meinen, die politische Nase wachse nicht nach der Wahrheit, sondern nach der Zahl der notwendigen Pressekonferenzen.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Pinocchio konnte seine Nase nicht verstecken.

In Berlin dagegen lässt sich selbst die größte politische Verrenkung noch hinter einer sorgfältig formulierten Pressemitteilung verbergen.

Ein Kanzler ohne Jiminy Grille?

Pinocchio hatte Jiminy Grille, sein moralisches Gewissen auf zwei Beinen. Einen kleinen Begleiter, der ihm ins Ohr flüsterte, wenn er wieder einmal dabei war, sich in Schwierigkeiten zu bringen.

Man darf sich fragen, wer diese Rolle im politischen Umfeld von Friedrich Merz übernimmt.

Vielleicht der Koalitionspartner? Vielleicht die Umfragewerte? Vielleicht die Realität, die sich leider nicht immer an die Vorstellungen des Kanzleramtes hält?

Denn ein politisches Gewissen wäre durchaus hilfreich, wenn man sich selbst als Vertreter einer neuen politischen Ehrlichkeit präsentiert.

Wer den Bürgern vor der Wahl große Veränderungen verspricht, muss sich nach der Wahl erklären lassen, warum diese Veränderungen plötzlich kleiner ausfallen. Wer anderen politische Unzuverlässigkeit vorwirft, sollte sich an den eigenen Maßstäben messen lassen.

Und wer sich als Kanzler der Verantwortung versteht, sollte nicht erst dann an seine Verantwortung erinnert werden müssen, wenn die nächste Schlagzeile droht.

Pinocchio hatte wenigstens einen moralischen Kompass.

Ob Friedrich Merz einen besitzt, lässt sich von außen nicht beurteilen. Dass er ihn gelegentlich öffentlich vorzeigen könnte, wäre allerdings kein Schaden.

Vom Holzjungen zum Staatsmann – oder umgekehrt?

Das eigentlich Tragische an diesem Vergleich ist, dass Pinocchio im Laufe seiner Geschichte eine Entwicklung durchmacht.

Er beginnt als unvollkommene Figur, macht Fehler, lernt dazu und wird schließlich zu einem richtigen Jungen.

Bei Friedrich Merz hingegen stellt sich zunehmend die Frage, ob der politische Entwicklungsprozess in die entgegengesetzte Richtung verläuft.

Er trat mit dem Anspruch an, Deutschland zu verändern. Er wollte Führung zeigen, Vertrauen zurückgewinnen und die politische Glaubwürdigkeit stärken.

Doch je größer der Abstand zwischen seinen Ankündigungen und den tatsächlichen Ergebnissen wird, desto mehr drängt sich eine unangenehme Frage auf:

Ist das noch die versprochene politische Wende – oder lediglich ein Märchen, dessen Ende nach der Wahl neu geschrieben wurde?

Natürlich ist ein Bundeskanzler kein Märchenheld. Er muss mit Koalitionspartnern verhandeln, wirtschaftliche Zwänge berücksichtigen und Entscheidungen treffen, die sich nicht immer in einfachen Wahlkampfslogans zusammenfassen lassen.

Aber gerade deshalb sollte ein Kanzler mit seinen Versprechen vorsichtig umgehen.

Denn die Bürger sind keine Statisten in einem politischen Märchen. Sie sind diejenigen, die am Ende mit den Folgen leben müssen.

Pinocchio, entschuldige bitte!

Vielleicht sollten wir Friedrich Merz künftig nicht mehr mit Pinocchio vergleichen.

Nicht, weil der Vergleich zu bissig wäre. Sondern weil er der Märchenfigur Unrecht tut.

Pinocchio war ein Lügner, aber er wollte sich ändern. Er hatte ein Gewissen, er lernte aus seinen Fehlern und er übernahm am Ende Verantwortung.

Er musste sich seine Glaubwürdigkeit mühsam erarbeiten.

Friedrich Merz hingegen hat die Glaubwürdigkeit bereits vor der Wahl versprochen. Nun muss er zeigen, dass er sie auch nach der Wahl noch besitzt.

Und sollte ihm das nicht gelingen, dann wäre es vielleicht an der Zeit, einen anderen Vergleich zu bemühen.

Wie wäre es mit dem Zauberer von Oz?

Einem Mann, der hinter einem Vorhang große Autorität ausstrahlt, während sich bei genauerem Hinsehen herausstellt, dass die Inszenierung deutlich beeindruckender ist als das, was dahintersteckt.

Wobei auch dieser Vergleich unfair wäre.

Denn der Zauberer von Oz hatte wenigstens den Mut, sich am Ende zu erkennen zu geben.

Pinocchio dagegen hatte eine lange Nase, aber immerhin ein gutes Herz.

Und Friedrich Merz?

Der hat bislang vor allem bewiesen, dass man auch ohne eine einzige sichtbare Holzfaser eine bemerkenswert hölzerne Politik machen kann.

Armer Pinocchio. Nicht einmal im Märchen hätte er verdient, mit diesem Kanzler verwechselt zu werden.

Der Unersetzliche

Oder: Warum ausgerechnet Friedrich Merz unantastbar sein soll

Es sind nur Gerüchte, heißt es. Friedrich Merz könne als Bundeskanzler abgelöst werden. Eine absurde Vorstellung. Schließlich läuft doch alles wie am Schnürchen – jedenfalls, wenn man Umfragen, Schlagzeilen und die Stimmung im Land konsequent ignoriert.

Man muss sich die Dreistigkeit einmal vorstellen: Da sinken die Zustimmungswerte, in der eigenen Partei wird hinter vorgehaltener Hand über Alternativen gesprochen, und tatsächlich wagen manche Menschen die Frage, ob der Kanzler noch der Richtige ist. Welch ungeheurer Mangel an Wertschätzung!

Fast keiner zweifelt an Fritz.

Dabei hat Merz doch eindrucksvoll gezeigt, dass man selbstbewusst regieren kann, ohne sich von lästigen Dingen wie öffentlicher Zustimmung aus der Ruhe bringen zu lassen. Wer braucht schon Rückenwind, wenn man den Gegenwind einfach zur neuen politischen Leitlinie erklärt?

Die CDU versichert selbstverständlich, es gebe keinerlei Ablösungspläne. Das ist ungefähr so beruhigend wie die Durchsage auf einem Kreuzfahrtschiff: „Es besteht keinerlei Grund zur Sorge“, während die Besatzung bereits die Rettungsboote poliert.

Besonders faszinierend ist das Schauspiel hinter den Kulissen. Offiziell herrscht Einigkeit. Inoffiziell scheint die größte Herausforderung darin zu bestehen, diese Einigkeit jeden Morgen aufs Neue zu organisieren. Kaum erscheint eine schlechte Umfrage, wachsen in den Fluren der Partei plötzlich erstaunlich viele Menschen heran, die schon immer das Zeug zum Kanzler gehabt haben.

Und Merz? Er wirkt dabei wie der Kapitän eines Schiffes, der stolz verkündet, der Kurs sei exakt richtig – obwohl die Passagiere längst Google Maps eingeschaltet haben.

Die politische Kommunikation gleicht inzwischen einem Zaubertrick. Aus einer Niederlage wird eine „Herausforderung“. Aus einer Kehrtwende wird „pragmatische Anpassung“. Aus einem Absturz in den Umfragen wird der Beweis dafür, dass man sich nicht von der öffentlichen Meinung treiben lässt. Diese Logik ist so elegant, dass man sich fragt, warum überhaupt noch Wahlen stattfinden. Eine Pressemitteilung würde doch völlig reichen.

Die eigentliche Satire schreibt allerdings die Partei selbst. Jahrelang wurde der starke Manager versprochen, der aufräumt, führt und Deutschland wieder nach vorne bringt. Herausgekommen ist eine Regierung, die regelmäßig den Eindruck vermittelt, sie müsse sich morgens erst darauf verständigen, wer heute eigentlich das Steuer in der Hand hält.

Sollte Merz tatsächlich im Amt bleiben, wird man das als Beweis seiner Führungsstärke verkaufen. Sollte er ersetzt werden, war der Wechsel natürlich seit Monaten Teil eines genialen Masterplans. In der Politik verliert schließlich niemand – manche gewinnen nur rückwärts.

Bleibt also die entscheidende Frage: Wie konnte überhaupt jemand auf die Idee kommen, an Friedrich Merz‘ Kompetenz oder Performance zu zweifeln?

Vielleicht, weil Wähler manchmal eine erstaunlich altmodische Erwartung haben: Sie messen Regierungen nicht an Pressekonferenzen, sondern an Ergebnissen. Welch unerquicklich konservative Vorstellung.

Bis dahin gilt: Der Kanzler ist selbstverständlich fest im Sattel. Und wenn in Berlin doch irgendwann hektisch an einem neuen Reiter gesucht wird, dann vermutlich nur, weil das Pferd plötzlich so unruhig geworden ist.

Das Trikot der Unterwerfung

Merz schenkt Trump Stoff, Trump schenkt Merz fünf Sekunden Aufmerksamkeit

Es gibt Momente, in denen Diplomatie Geschichte schreibt. Und dann gibt es Momente, in denen ein Bundeskanzler einem US-Präsidenten ein Fußballtrikot überreicht – und der Beschenkte aussieht, als hätte ihm gerade jemand die Rechnung vom Hotelrestaurant in die Hand gedrückt.

Friedrich Merz wollte offenbar punkten. Donald Trump bekam zum nachträglichen Geburtstag ein DFB-Trikot mit der Nummer 47. Symbolik! Weltmeisterschaft! Freundschaft! Transatlantische Partnerschaft! Alles fein säuberlich in Polyester eingenäht.

Trump hingegen wirkte ungefähr so begeistert wie ein Teenager, der von seiner Oma Socken zu Weihnachten bekommt. Erst ein kurzer Blick, dann routiniert für die Fotografen hochhalten, lächeln – oder zumindest die Gesichtsmuskeln kurz in Richtung „Lächeln“ bewegen – und anschließend das Trikot zusammenfalten. Diplomatie abgeschlossen.

Sieht fast wie echt aus.

Man fragt sich allerdings: War das überhaupt ein originales DFB-Trikot?

Denn aufmerksamen Beobachtern fiel etwas Merkwürdiges auf. Auf der Vorderseite fehlte die Spielernummer. Nun könnte man natürlich sagen: Vielleicht handelt es sich um eine Sonderanfertigung. Vielleicht gelten bei Staatsgeschenken andere Regeln.

Oder…

…es war das berühmte „Original aus Shenzhen“. Das Modell „Germani National Soccer Shirt Premium Quality AAA+“. Versand in 48 Stunden. Gratis Schlüsselanhänger.

Die Produktbeschreibung hätte vermutlich gelautet:

«“100 Prozent authentisch. Fast wie echt. Spielername frei wählbar. Nummer hinten inklusive. Nummer vorne? Optional.“»

Vielleicht hat das Auswärtige Amt versehentlich beim Online-Marktplatz die Filter „Preis aufsteigend“ und „Sofort lieferbar“ aktiviert.

Dass Trump das Trikot zunächst nur mit höflicher Gleichgültigkeit entgegennahm, könnte natürlich ebenfalls mehrere Ursachen haben. Vielleicht dachte er:

„Moment … Adidas? Oder doch Adibas?“

Oder ihm fiel sofort auf:

„Interessant. Deutsche Qualitätsarbeit ohne Nummer vorne. Das kenne ich sonst nur von den Trikots auf dem Basar.“

Natürlich ist das reine Spekulation. Genauso gut könnte das Trikot vollkommen echt gewesen sein. Aber echter Journalismus lebt nun einmal von Fragen, die sich sonst keiner zu stellen wagt.

Die eigentliche Komik liegt ohnehin woanders.

Während auf der Welt Kriege toben, Handelskonflikte eskalieren und die NATO über Milliarden diskutiert, reist der deutsche Bundeskanzler zum mächtigsten Mann der Welt und präsentiert ihm ein Fußballtrikot – als wäre er Teilnehmer bei der Tombola eines Kreisliga-Sommerfestes.

Fast fehlte nur noch ein Filz-Wimpel mit der Aufschrift:

„Sportfreunde Bundeskanzleramt – Danke für Ihren Besuch.“

Vielleicht war das Ganze aber auch Teil einer ausgeklügelten Verhandlungsstrategie. Nach dem Motto:

„Donald, wenn du heute nett bist, bekommst du beim nächsten Gipfel sogar noch die passende Trainingshose.“

Man darf gespannt sein, welches Geschenk beim nächsten Treffen folgt. Ein signierter DFB-Schal? Ein Paar Torwarthandschuhe? Oder gleich ein Gutschein für den Fanshop – diesmal hoffentlich mit der Option „Originalware“.

Bis dahin bleibt dieses Trikot vor allem eines: ein Symbol deutscher Diplomatie, irgendwo zwischen Staatskunst, Fanartikel und der ewigen Hoffnung, dass der Beschenkte wenigstens kurz so tut, als freue er sich.