Deutschland, das gelobte Land der Leistungsträger. Also jener Menschen, die morgens aufstehen, Steuern zahlen, Beiträge abdrücken und abends müde ins Bett fallen – mit dem beruhigenden Gefühl, dass irgendwer in Berlin oder Brüssel das Geld schon sinnvoll verbrennen wird.
Nun also der nächste Vorschlag aus der politischen Ideenküche: Eine Stunde mehr arbeiten pro Woche, sagt Markus Söder. Nicht für dich, nicht für deine Familie, nicht für mehr Wohlstand – sondern natürlich für das große Ganze. Dieses große Ganze, das seit Jahren immer größer wird, während dein Kontostand erstaunlich klein bleibt.

Eine Stunde geht noch!
Die Rechnung ist simpel – und immer dieselbe
Mehr arbeiten.
Mehr Steuern zahlen.
Mehr Beiträge abführen.
Und dann bitte nicht fragen, wo das Geld eigentlich bleibt. Das gilt hierzulande als unsportlich.
Denn Deutschland hat ja angeblich ein Einnahmenproblem.
Komisch nur, dass wir gleichzeitig:
- die höchste Abgabenquote unter den Industrienationen haben,
- Rekordsteuereinnahmen einfahren,
- und trotzdem permanent hören, dass „leider kein Geld da ist“.
Wo ist es hin, das ganze Geld?
Eine ketzerische Frage, aber erlauben wir sie uns einmal:
- Milliarden für ideologische Prestigeprojekte, deren Nutzen sich nur in PowerPoint-Folien erschließt
- Subventionen ohne Ende, von denen vor allem gut vernetzte Branchen profitieren
- Ein aufgeblähter Verwaltungsapparat, der sich selbst beschäftigt
- Fehlanreize im Sozialsystem, bei denen sich Arbeit immer öfter weniger lohnt als Nichtarbeit
- Internationale Verpflichtungen, bei denen Deutschland zuverlässig zahlt, während andere „verhandeln“
Und währenddessen soll der Zahnarzt plötzlich Privatsache werden. Nicht etwa, weil der Staat zu wenig Geld hat – sondern weil er es lieber woanders ausgibt.
Zähne raus, Arbeit rein
Die Botschaft ist klar:
Für geopolitische Abenteuer, Verwaltung, NGOs, Förderprogramme und Symbolpolitik ist Geld da.
Für funktionierende Infrastruktur, bezahlbare Energie, innere Sicherheit oder medizinische Grundversorgung – leider nicht.
Der arbeitende Bürger darf also wählen:
- Mehr arbeiten, um ein System zu finanzieren, das ihn zunehmend belastet
- Oder weniger Leistungen bekommen, für die er jahrzehntelang gezahlt hat
Beides gleichzeitig? Aber selbstverständlich.
Der Leistungsträger als Melkkuh
Der deutsche Arbeitnehmer ist kein Bürger mehr, sondern ein Finanzierungsmodell. Ein zuverlässiges. Ein geduldiges. Eines, das man immer weiter belasten kann – solange man es mit moralischen Schlagworten garniert.
„Solidarität“ heißt dann: Du zahlst.
„Zukunft“ heißt: Andere entscheiden.
„Gerechtigkeit“ heißt: Du arbeitest mehr, bekommst weniger und sollst dankbar sein.
Die eigentliche Frage
Nicht:
Können die Menschen eine Stunde mehr arbeiten?
Sondern:
Wie viele Stunden soll die arbeitende Bevölkerung noch schuften, um ein System zu tragen, das mit ihrem Geld immer sorgloser umgeht?
Solange diese Frage tabu bleibt, wird die Antwort immer dieselbe sein:
Noch eine Stunde. Und dann noch eine.
Denn die bequemste Reform ist nicht Sparen, nicht Priorisieren, nicht Verantwortung –
sondern der Griff in die Taschen derer, die sich nicht wehren (dürfen).
