Die Reinwaschungsanstalt Tegernsee

Merz, Weimer und der politische Hochdruckreiniger, der einfach nicht sauber macht.

Es gibt Momente, in denen die Politik so durchschaubar ist, dass man sich fragt, ob man nicht aus Versehen in eine Comedy-Sendung gezappt hat.
Der Fall Weimer gehört dazu – und Kanzler Merz liefert das perfekte Begleitprogramm: eine Mischung aus Freundschaftsbonus, Tatsachen-Yoga und rhetorischem Katzengold.

Weimer: Der Mann, der schneller entflechtet als ein Conditioner

Wolfram Weimer, frischgebackener Kulturstaatsminister, hat angeblich alles hinter sich gelassen:
Geschäftsführung? Abgegeben.
Einfluss? Abgegeben.
Anteile? Abgegeben. Vielleicht. Zumindest so irgendwie.
Zumindest laut ihm.

Auffällig ist nur: Je mehr er betont, wie weit er sich von seiner alten Firma entfernt hat, desto häufiger taucht eben diese Firma in Medienberichten über seinen politischen Einfluss auf.
Von echtem Abstand kann man nur sprechen, wenn man die Maßeinheit „politische Glaubwürdigkeit pro Quadratmeter Lobbyfläche“ erfindet.

Dass seine frühere Mediengruppe exklusive Gipfelpakete verkauft, die klingen, als ob man bei Amazon „Zugang zur Politik – Prime Edition“ buchen könne –
reiner Zufall, wie Weimer betont.
Ein Zufall von der Sorte, die so häufig vorkommt wie Schneefall im August.

Merz: Der Anwalt des Unfehlbaren

Fritze-Merz: stets ehrlich und loyal

Dann tritt Friedrich Merz auf – der vielleicht loyalste Kanzler seit der Einführung des politischen Kumpelsystems.
Er erklärt im Fernsehen, alle Vorwürfe seien „falsch“.
Alle.
Ohne Ausnahme. Einfach weg. Puff.

Merz wirkt dabei wie ein Mensch, der sich angewöhnt hat, auf jede Frage mit „Falsch!“ zu antworten, weil es schneller geht als nachzudenken.
Würde ein Journalist fragen:
„Herr Merz, ist heute Dienstag?“
würde er vermutlich sagen:
„Alle Vorwürfe gegen den Kalender sind falsch.“

Dass Weimer ein langjähriger Vertrauter ist?
Reiner Zufall.
Dass Merz genau diesen Vertrauten in sein Kabinett gehoben hat?
Natürlich vollkommen unabhängig.
Dass er ihn nun mit Inbrunst verteidigt?
Einfach nur staatsmännische Pflicht.
Natürlich.

Der Gipfel, bei dem nur die Transparenz den Abhang herunterfällt

Der Ludwig-Erhard-Gipfel, jahrzehntelange Tagung des politischen Jetsets, wirbt mit „hochwertigen Businesspaketen“.
Was man dafür bekommt?
Networking, Bühne, Sichtbarkeit.
Alles legal.
Doch in der politischen Wirklichkeit ist es ein bisschen wie ein exklusives Spa:

„Sie möchten politischen Zugang?
Bitte legen Sie das Handtuch unter den Umschlag.“

Und Merz stellt sich hin und sagt sinngemäß:
„So läuft das halt bei Medienverlagen.“
Ja, stimmt.
Und so läuft es auch bei Bären:
Sie fressen Honig, aber man sollte sie deswegen nicht zum Imker ernennen.

Politik 2025: Eine Kunstform zwischen Vernebelung und Hochglanz

Während Merz ungerührt erklärt, dass Weimer vollkommen unschuldig sei, erinnert das Schauspiel an einen dieser alten Waschsalons, in denen die Maschinen wackeln und quietschen und am Ende trotzdem noch Flecken im Hemd bleiben.

Denn egal, wie oft Merz es poliert:
Der Fall glänzt nicht, er schimmert.

Das letzte Wort?

Weimer sagt, er habe alles abgelegt, was verdächtig aussehen könnte.
Merz sagt, alles sei falsch.
Die Öffentlichkeit sagt:
„Wir hätten gerne eine Quittung dafür.“

Und bis die kommt, bleibt der Verdacht bestehen, dass am Tegernsee weniger ein Gipfel stattfindet als eine Glaubwürdigkeitswanderung, bei der sich zwei sehr erfahrene Wanderführer einfach verdammt oft verlaufen.