Der alte Mann und das Rentenmeer

Wie Friedrich Merz im Europapark versucht, die Jungen zu beruhigen – und stattdessen fast seine Mehrheit verliert

Eine politische Satire über Achterbahnen, Altersweisheit und die Frage: Wer opfert hier wessen Zukunft?


Man hätte meinen können, Friedrich Merz wolle sich im Europapark endlich einer echten Mutprobe stellen. Silver Star. Wodan. Blue Fire. Doch nein: Die größte Mutprobe dieses Wochenendes war der Auftritt vor der Jungen Union – jener Gruppe junger Christdemokraten, die sich seit Monaten fragen, ob der Kanzler eigentlich die Zukunft retten will oder nur seine Legislatur.

Es war Freitag, der Deutschlandtag in vollem Gange, und Merz betrat die Bühne, umgeben von Jugendlichen, die noch wissen, wie man Zukunft buchstabiert – und älteren Strategen, die noch wissen, wie man sie verschiebt.


I. Merz und die Jugend: Eine Begegnung der dritten Art

Es heißt, im Saal sei es so still gewesen, dass man die Generationengerechtigkeit hätte schreien hören, wenn sie dazu im Stande wäre.
Merz redete über Verantwortung, über Stabilität und darüber, dass man keinen „Unterbietungswettbewerb beim Rentenniveau“ brauche. Die JU wiederum dachte wohl im Chor:

„Doch, Friedrich. Genau das bräuchten wir. Und zwar vorgestern.“

Stabil in den Abgrund

Beifall blieb aus. Nicht aus Höflichkeit – sondern weil er schlicht nicht kam. Es war politisch so frostig, dass man dachte, der Europa-Park hätte die Eishalle spontan in den Konferenzsaal verlegt.


II. Der große Rentenaufstand – jetzt mit echter Sprengkraft

Und dann kam der Paukenschlag:
Die Junge Union lehnte das Rentenpaket erneut ab. Nicht enttäuscht. Nicht halbherzig. Sondern mit voller Kante.

Und schlimmer für den Kanzler: 18 junge Bundestagsabgeordnete – die „Junge Gruppe“ – kündigten an, im Bundestag nicht für das Gesetz zu stimmen.

Das sind nicht irgendwelche Neulinge. Das sind genau die Stimmen, die Merz fehlen, um seine ohnehin schon knappe Mehrheit über Wasser zu halten.

Denn die Koalition aus CDU, CSU und SPD soll laut Medien nur rund 12 Stimmen über der absoluten Mehrheit liegen.
Die Jungen aber haben 18 Stimmen – eine Art politischer Thermomix: klein, aber extrem leistungsfähig, wenn man etwas zerkleinern möchte. In diesem Fall: die Mehrheitsfähigkeit ihres eigenen Kanzlers.


III. Merz’ Demografie-Dilemma: Will er die Zukunft retten oder nur sich selbst über sie hinwegtragen?

Natürlich könnte man behaupten, Merz sei ein Staatsmann, der mit geradezu stoischer Weisheit das Wohl der Nation über alles stellt.
Man könnte aber auch sagen:

„Der Mann will einfach die Legislatur überstehen, ohne dass das Rentensystem vorher kollabiert – vorzugsweise erst danach.“

Mit 70 Jahren denkt man vielleicht tatsächlich:
„Die Reform kommt. Nur nicht unbedingt vor Montag.“

Die JU hingegen fordert die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung.
Merz denkt dazu vermutlich:

„Gute Idee für die Zukunft.
Aber ich bin die Gegenwart.“


IV. Politik als Fahrgeschäft

Merz’ Besuch wirkte wie eine Fahrt auf der Holzachterbahn Wodan:

  • ruckelig,
  • laut,
  • und am Ende fragt man sich, ob das Gerüst das wirklich hergibt.

Die JU sah sich in der Rolle des TÜV-Prüfers. Und bemerkte:
„Die Schrauben sitzen nicht fest.“

V. Die bittere Pointe: Der Kanzler könnte über seine eigenen Jungen stürzen

Wenn die 18 Abgeordneten tatsächlich geschlossen gegen das Rentenpaket stimmen, verliert Merz seine Mehrheit.
Nicht an die Opposition.
Nicht an äußere Kräfte.
Sondern an seine eigene Jugend.

Das ist politisch, als würde man auf dem Autoscooter von der eigenen Parteijacke überfahren werden.

Und je länger Merz versucht, die Reformen in Richtung Zukunft aufzuschieben, desto mehr entsteht der Eindruck, dass hier jemand weniger die Generationen retten als vielmehr die eigene Regierungszeit verlängern will.


**VI. Fazit:

Der Alte, die Jungen und ein Freizeitpark, der nie so politisch sein wollte**

Der Deutschlandtag im Europapark hätte fröhlich werden können.
Stattdessen wurde er zu einer politisch-demografischen Geisterbahn:

  • Ein 70-jähriger Kanzler, der Stabilität beschwört, während ihm die Mehrheit wegrutscht.
  • Eine Junge Union, die mehr Zukunft will, als der Kanzler liefern kann oder will.
  • Eine Koalition, die potenziell an ihrem jüngsten Flügel scheitert.

Und in der Mitte: Merz, der Mann, der eigentlich gar keinen „Unterbietungswettbewerb“ wollte – und nun zusehen muss, wie die JU beginnt, die Latte anzuheben.

Oder zu reißen.

Je nachdem, wie man die nächste Plenarsitzung interpretiert.