Deutschlands absurde Sicherheitsdebatte

Wenn die Realität rechts ist, muss man eben links dagegenhalten

Deutschland hat offenbar ein neues Sicherheitskonzept: Erst fliegen Steine, Polizisten werden verletzt und Innenstädte verwüstet – anschließend diskutiert die Politik darüber, ob man die Täter überhaupt richtig benannt hat.

Auf dem linken Auge von Blindheit geschlagen.

Nach den Ausschreitungen rund um die Gen-Z-Proteste und rund 100 verletzten Polizisten in Frankfurt ist die Empörung groß. Allerdings nicht unbedingt über die Gewalt. Nein, der eigentliche Streit dreht sich darum, ob Alexander Dobrindt die richtigen Worte benutzt hat.

Dobrindt sprach von linken Gewalttätern und migrantischen Chaoten. Prompt meldete sich die politische Empörungsabteilung zu Wort. Pistorius störte sich an der Formulierung, und andere Politiker warnten vor Pauschalisierungen.

Natürlich. Denn in Deutschland ist inzwischen fast alles problematisch – außer offenbar das Problem selbst.

Ein Polizist mit gebrochener Nase? Bedauerlich. Ein verwüsteter Bahnhof? Unschön. Ein verletzter Beamter? Berufsrisiko. Aber wehe, ein Politiker beschreibt die Tätergruppe so, dass sich jemand sprachlich diskriminiert fühlen könnte!

Man stelle sich vor, ein Bürger würde nach solchen Ausschreitungen fragen, warum der Staat seine Straßen nicht mehr unter Kontrolle bekommt. Vermutlich müsste er zunächst an einem Sensibilisierungsseminar teilnehmen.

Die AfD nutzt die Gelegenheit natürlich dankbar. Die Union empört sich über Gewalt, die SPD über die Wortwahl und die Grünen vermutlich darüber, dass die Polizei überhaupt noch Schlagstöcke besitzt.

Und während sich die Parteien gegenseitig erklären, wer mit welcher Formulierung wen verletzt haben könnte, stehen die Polizisten wieder auf der Straße und dürfen den politischen Realitätsverlust ausbaden.

Vielleicht sollte man künftig bei jeder Demonstration vorsorglich zwei Einsatzgruppen bereitstellen: eine für die Sicherheit und eine für die sprachliche Betreuung der Täter.

Denn eines muss man Deutschland lassen: Wenn es darum geht, ein Problem nicht beim Namen zu nennen, sind wir inzwischen Weltmeister.

Willkommen im besten Deutschland aller Zeiten

Wo die Polizei die Schläge kassiert und die Politik anschließend die Wörter zählt.