Deutschland fliegt aus dem Sicherheitsrat – bleibt aber Premiumkunde der Vereinten Nationen
Berlin/New York – Es gibt Niederlagen, die schmerzen. Und es gibt Niederlagen, bei denen man sich fragt, ob man nicht wenigstens einen Treuebonus bekommt.
Deutschland hat die Wahl zum UN-Sicherheitsrat verloren. Ausgerechnet Deutschland. Das Land, das jahrzehntelang glaubte, man könne internationale Politik ungefähr so betreiben wie eine Eigentümerversammlung: ordentlich vorbereitet, finanziell solide und mit einem 47-seitigen Protokoll.
Doch die Weltgemeinschaft hatte andere Pläne. Während Österreich und Portugal in den Sicherheitsrat einzogen, durfte Deutschland die Veranstaltung aus der Zuschauerreihe verfolgen. Mit gültigem Ticket, aber ohne Sitzplatz auf dem Podium.

Immerhin darf weiterhin bezahlt werden.
Dabei hätte Berlin eigentlich davon ausgehen können, Stammkunde zu sein. Schließlich gehört Deutschland seit Jahren zu den größten Geldgebern der Vereinten Nationen. Wenn die UN ein Fitnessstudio wären, hätte Deutschland längst eine Platin-Mitgliedschaft, zwei personalisierte Handtücher und freien Zugang zur Lounge.
Der eigentliche Trost: Deutschland bleibt weiterhin Zahlmeister.
Man darf zwar künftig nicht im wichtigsten Sicherheitsgremium mitreden, aber beim Überweisen hört man in New York weiterhin aufmerksam zu. Deutschlands Rolle ähnelt damit jener eines Restaurantgastes, der die Rechnung für den ganzen Tisch bezahlt, während die anderen entscheiden, was bestellt wird.
Im Auswärtigen Amt versucht man dennoch, die Niederlage positiv zu sehen.
„Weniger Sitzungen, weniger Nachtschichten und deutlich weniger diplomatische Kopfschmerzen“, könnte die offizielle Sprachregelung lauten.
Außerdem spart ein fehlender Sitz im Sicherheitsrat wertvolle Ressourcen. Statt komplizierte Resolutionen auszuhandeln, kann Deutschland sich wieder auf seine Kernkompetenzen konzentrieren: Förderprogramme, Arbeitsgruppen und die Erstellung international anerkannter PDF-Dokumente.
Auch die Vereinten Nationen selbst dürften beruhigt sein. Zwar fehlt Deutschland künftig am Ratstisch, nicht jedoch auf dem Kontoauszug.
Ein UN-Diplomat soll hinter vorgehaltener Hand gesagt haben:
„Natürlich hätten wir Deutschland gern im Sicherheitsrat gesehen. Aber noch wichtiger ist, dass Deutschland weiterhin weiß, wo der Überweisen-Knopf ist.“
Für die Bundesregierung bietet die Niederlage sogar Chancen. Der langjährige Traum eines ständigen deutschen Sitzes erscheint nun realistischer denn je – zumindest nach der bekannten politischen Formel: Wenn etwas mehrfach nicht klappt, fordert man einfach eine Strukturreform.
Bis dahin bleibt Deutschland das, was es am besten kann: ein verlässlicher Unterstützer der internationalen Ordnung.
Oder, um es in den Worten eines zynischen Beobachters zusammenzufassen:
„Deutschland hat keinen Platz mehr am Katzentisch der Weltpolitik bekommen. Aber immerhin bezahlt es weiterhin die Tischdecke.“
