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Masken runter! – Jens Spahn findet endlich den Ausgang

Es ist passiert. Jens Spahn tritt als Fraktionschef zurück. Nicht wegen der Masken. Nicht wegen der Milliarden. Nicht wegen all der Untersuchungsausschüsse, Aktenordner und Schlagzeilen, die seinen politischen Lebenslauf dekorieren wie Lametta einen Weihnachtsbaum.

Nein.

Ausgerechnet die Glaubwürdigkeit hat ihn erwischt.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Jahrelang galt Spahn als politisches Stehaufmännchen. Egal, was passierte – Maskenbeschaffung, Milliardenrisiken, öffentliche Kritik oder parlamentarische Aufarbeitung –, Jens Spahn stand da wie ein FFP2-Maskenkarton im Keller eines Ministeriums: irgendwie immer noch vorhanden und erstaunlich widerstandsfähig.

Ein Skandal zuviel.

Doch dann kam ausgerechnet die Erkenntnis, dass Glaubwürdigkeit vielleicht doch kein optionales Ausstattungsmerkmal eines Fraktionsvorsitzenden ist.

Wer hätte das ahnen können?

Die offizielle Begründung lautet, die Debatte um seine private Familiengründung belaste das Amt. Das mag sein. Aber der politische Beobachter fragt sich unweigerlich, ob das Fass nicht schon seit Jahren randvoll war und lediglich auf den berühmten letzten Tropfen wartete.

Denn über Jens Spahns politische Karriere schwebt bis heute der lange Schatten der Maskenaffäre. Milliarden wurden ausgegeben, Beschaffungen verliefen chaotisch, Gerichte beschäftigen sich bis heute mit den finanziellen Folgen, Untersuchungsausschüsse förderten zahlreiche unbequeme Fragen zutage – und der Steuerzahler durfte sich einmal mehr als Hauptsponsor staatlicher Improvisationskunst fühlen.

Man könnte fast meinen, in Berlin gäbe es ein eigenes Ministerium für das Verlegen politischer Verantwortung. Zuständig für Lagerung, Umverteilung und anschließendes kollektives Vergessen.

Jetzt also der Rücktritt.

Natürlich nicht ganz. Das Bundestagsmandat bleibt. Man geht schließlich nicht freiwillig ganz von der Bühne, wenn im Zuschauerraum noch Kameras stehen.

Innerhalb der Union beginnt nun das traditionelle Spiel „Reise nach Jerusalem“. Nur dass diesmal jeder hofft, am Ende nicht auf Spahns Stuhl sitzen zu müssen. Denn der kommt inzwischen mit eingebauter Krisenhistorie.

Und die Partei? Sie bedankt sich artig für die geleistete Arbeit. Das gehört sich so. Politiker verabschieden sich schließlich selten mit den Worten: „Das wurde jetzt aber auch höchste Zeit.“

Von den Oppositionsbänken dürfte dagegen leises Husten zu hören sein. Oder ist das schallendes Gelächter? Schwer zu unterscheiden. Jedenfalls wird dort niemand ernsthaft behaupten, man habe den Fraktionschef zu Fall gebracht. Warum auch? Wenn sich die Union selbst derart zuverlässig ins Knie schießt, wäre jede fremde Hilfe reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Masken können eine erstaunlich lange Lebensdauer haben. Manche schützen vor Viren. Manche vor unangenehmen Fragen. Und manche fallen eben erst dann, wenn der Applaus längst verklungen ist.

Vorhang zu. Maske ab.