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Merz braucht Nachhilfe

Deutschland, die Lachnummer der KI-Revolution

Deutschland war einmal das Land der Erfinder, Ingenieure und Tüftler. Heute muss ein amerikanischer Chip-Unternehmer unserem Bundeskanzler erklären, dass man technischen Fortschritt nicht herbeiredet, sondern irgendwann auch umsetzen muss. Willkommen im Deutschland von Friedrich Merz: große Ansprüche, große Ankündigungen – und bei der Digitalisierung offenbar Nachhilfeunterricht aus dem Silicon Valley.

Mit dem Fax in Richtung Zukunft!

Jensen Huang, Chef des KI-Giganten NVIDIA, hat den Finger in eine offene Wunde gelegt: Deutschland zerdenkt seine Möglichkeiten, statt sie zu nutzen. Wir haben kluge Köpfe, starke Unternehmen und jahrzehntelange Industrieerfahrung. Was uns fehlt, ist offenbar die Fähigkeit, daraus rechtzeitig etwas zu machen.

Und wer trägt die politische Verantwortung für dieses Trauerspiel? Friedrich Merz. Ein Kanzler, der Deutschland wieder an die Spitze führen möchte, aber ausgerechnet von einem amerikanischen Konzernchef daran erinnert werden muss, dass die Zukunft nicht auf diejenigen wartet, die noch eine Kommission einsetzen.

Merz will Deutschland zur Wirtschaftsmacht der Zukunft machen – und lässt sich erst einmal erklären, wie Zukunft überhaupt funktioniert.

Das ist die eigentliche Pointe dieses Treffens. Der Kanzler inszeniert sich gern als Macher, als Mann der Wirtschaft, als jemand, der die Dinge beim Namen nennt. Doch bei der entscheidenden Technologie unserer Zeit wirkt Deutschland weiterhin wie ein digitaler Nachzügler, der stolz seine industrielle Vergangenheit vorzeigt, während andere längst die Zukunft produzieren.

Natürlich verfolgt Huang eigene Interessen. NVIDIA verkauft die Chips und Systeme, mit denen die KI-Revolution angetrieben wird. Wenn Deutschland endlich aufrüstet, klingelt in den USA die Kasse. Der Amerikaner ist schließlich nicht als Entwicklungshelfer nach Berlin gekommen.

Aber genau das macht die Sache für Merz so unangenehm: Ein Geschäftsmann muss Deutschland nicht einmal schlechtreden. Es reicht, wenn er freundlich darauf hinweist, dass dieses Land seine Möglichkeiten nicht schnell genug nutzt. Den Rest erledigt die Realität.

Und dann das Gerede von der digitalen Souveränität! Deutschland will unabhängig und technologisch führend sein – braucht dafür aber dringend die Zusammenarbeit mit einem US-Konzern, der bei entscheidenden KI-Technologien den Takt vorgibt. Das ist, als würde man seine Unabhängigkeit feiern, während man gerade den Schlüssel für die eigene Zukunft beim Nachbarn abholt.

Merz verkauft den Aufbruch. Huang erklärt, warum Deutschland überhaupt erst aufbrechen muss.

Vielleicht sollte der Kanzler weniger Gipfel veranstalten und mehr Ergebnisse liefern. Weniger Fototermine mit den Stars der Weltwirtschaft, weniger wohlklingende Absichtserklärungen – dafür mehr Tempo bei Digitalisierung, Forschung und industrieller Modernisierung.

Denn Deutschland braucht keinen amerikanischen Motivationsredner. Es braucht eine Regierung, die aus Erkenntnissen endlich Konsequenzen zieht.

Bis dahin bleibt der Eindruck: Der Kanzler will Deutschland in die Zukunft führen. Dumm nur, dass ihm ausgerechnet der Chef eines amerikanischen Chipkonzerns erklären muss, wo diese Zukunft stattfindet.

Und während Merz noch den Aufbruch verkündet, ist der Zug womöglich längst abgefahren.

Natürlich ohne Faxgerät. Das wäre selbst für Deutschland zu modern.