Philipp Amthor und die große Mission

Von 4,9 auf 0 Prozent?

Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt. Die CDU hat verloren. Daniel Peters ist zurückgetreten. Und jetzt kommt Philipp Amthor. Wenn das kein Neuanfang ist, was dann?

Es gibt politische Abende, an denen eine Partei verliert.

Dann gibt es politische Abende, an denen eine Partei so gründlich verliert, dass sie anschließend erst einmal nachsehen muss, ob sie überhaupt noch auf dem Wahlzettel steht.

Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern kennt seit Sonntag die zweite Variante.

4,9 Prozent.

Damit flog die CDU erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik aus einem Landesparlament. Daniel Peters zog daraus die persönliche Konsequenz und trat als Landesvorsitzender zurück. Auch Generalsekretärin Katy Hoffmeister gab ihr Amt ab.

Und wer steht nun bereit, um den Trümmerhaufen aufzuräumen?

Philipp Amthor.

Ja, genau der Philipp Amthor.

Der Mann für die schwierigen Fälle

Amthor übernimmt den CDU-Landesverband zunächst kommissarisch und soll ihn bis zu einem Landesparteitag Anfang kommenden Jahres führen. Der 33-Jährige ist Staatsminister im Bundeskanzleramt und war zuletzt stellvertretender Landesvorsitzender.

Man könnte also sagen:

Die CDU hat in Mecklenburg-Vorpommern gerade einen historischen Tiefpunkt erreicht – und die Parteispitze dachte sich offenbar:

„Da kann eigentlich nur noch Amthor helfen.“

Das ist ungefähr so, als würde die Feuerwehr nach einem Großbrand feststellen:

„Gut, das Gebäude ist weg. Jetzt holen wir jemanden, der schon einmal einen Toaster repariert hat.“

4,9 Prozent sind schließlich fast 5 Prozent

Dabei muss man die Leistung der CDU durchaus würdigen.

4,9 Prozent.

Das klingt zunächst nach einer Zahl, die nur knapp unter der magischen Fünf-Prozent-Hürde liegt.

Aber mathematisch betrachtet ist das natürlich auch eine beeindruckende Entwicklung.

Denn wenn man sich von 5 Prozent entfernt, gibt es schließlich noch jede Menge Luft nach unten.

4,8.

4,7.

4,6.

Und irgendwann kommt man bei einer Zahl an, die parteiintern vermutlich für große Erleichterung sorgen dürfte:

0,0 Prozent.

Vielleicht lautet Amthors geheimes Sanierungskonzept deshalb gar nicht „Zurück in den Landtag“.

Vielleicht lautet es:

„Wir wollen endlich wieder zweistellig – hinter dem Komma.“

Die CDU hat jetzt einen echten Vorteil

Immerhin kann die Landespartei bei der nächsten Wahl kaum noch schlechter abschneiden.

Das ist doch schon einmal eine hervorragende Ausgangslage.

4,9 Prozent und kein Landtagsmandat.

Was soll da noch schiefgehen?

Gut, theoretisch könnte man auf 4,8 Prozent fallen.

Oder 3,9.

Oder 2,7.

Aber irgendwann wird es auch organisatorisch einfacher.

Keine Fraktion.

Keine Ausschüsse.

Keine lästigen Landtagsreden.

Keine Diskussionen darüber, wer welchen Posten bekommt.

Die CDU Mecklenburg-Vorpommern könnte sich künftig komplett auf das Wesentliche konzentrieren: Parteitage.

Mit genügend Platz.

Denn bei 4,9 Prozent dürfte die Sitzordnung überschaubar sein.

Und dann kommt Amthor

Philipp Amthor hat schon mehrfach als möglicher Landeschef der CDU im Raum gestanden. Nun übernimmt er – zumindest vorübergehend – doch.

Das Timing ist bemerkenswert.

Zweimal wollte man ihn nicht ganz oben sehen.

Jetzt ist er ganz oben.

Allerdings auf einem Berg, der gerade ziemlich stark nach unten zeigt.

Das muss man erst einmal schaffen.

Andere Politiker übernehmen eine Partei nach einem Wahlsieg.

Amthor übernimmt sie nach 4,9 Prozent.

Das ist kein klassischer Karriereschritt.

Das ist eher der politische Feuerwehrdienst im Katastrophenschutz.

Die große Frage

Natürlich wäre es unfair, Philipp Amthor persönlich für das Wahlergebnis verantwortlich zu machen.

Er war schließlich nicht der Spitzenkandidat.

Er hat die Wahl nicht alleine bestritten.

Und niemand kann seriös behaupten, dass er die CDU automatisch weiter nach unten führen wird.

Aber Satire darf fragen.

Und deshalb muss die entscheidende Frage erlaubt sein:

Schafft Amthor das Unmögliche?

Kann man eine Partei, die bereits bei 4,9 Prozent steht, tatsächlich noch auf 0 Prozent bringen?

Oder gelingt ihm das Kunststück, die CDU Mecklenburg-Vorpommern wieder zurück in den Landtag zu führen?

Die Antwort darauf kennt heute niemand.

Aber eines ist sicher:

Amthor hat jetzt ein bemerkenswert kleines Fundament, auf dem er eine bemerkenswert große Karriere aufbauen soll.

Und wenn er wirklich erfolgreich sein möchte, sollte er vielleicht eines beherzigen:

Nicht jede politische Leiter muss nach oben führen.

Manchmal führt sie auch einfach in den Keller.

Und in Mecklenburg-Vorpommern hat die CDU gerade erst angefangen, dort unten nach dem Lichtschalter zu suchen.

Philipp Amthor ist am Zug.

Die CDU steht bei 4,9 Prozent.

Der Taschenrechner liegt bereit.

4,9 → 4,8 → 4,7 …

Oder vielleicht doch:

„Projekt Wiederauferstehung“?

Wir werden sehen.

Bis dahin bleibt nur eine Frage:

Philipp, schaffst du die Null?