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Rentenkommission präsentiert Zukunftsplan

Arbeiten bis zum Umfallen, aber bitte generationengerecht

Berlin. Die Rentenkommission hat ihren großen Wurf vorgestellt. Nach monatelangen Beratungen ist man zu einem revolutionären Ergebnis gekommen: Wenn das Geld nicht reicht, müssen die Menschen eben länger arbeiten. Wer hätte ahnen können, dass man dieses bahnbrechende Konzept nicht schon vor zwanzig Jahren entdeckt hat?

Die wichtigste Idee: Das Renteneintrittsalter soll künftig elegant an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Übersetzt heißt das: Wer das Glück hat, dank medizinischen Fortschritts länger zu leben, darf dieses Privileg mit ein paar zusätzlichen Jahren auf dem Gerüst, im Pflegeheim oder am Fließband zurückzahlen. Man nennt das Solidarität – allerdings immer dieselbe Einbahnstraße.

Besonders kreativ ist der Plan, die „Rente mit 63“ einzustampfen. Jahrzehntelang körperlich geschuftet? Knie kaputt? Rücken ruiniert? Herzlichen Glückwunsch! Ihre Belohnung lautet: Bitte noch etwas durchhalten. Der Schreibtischbeamte mag diese Reform möglicherweise entspannter sehen als der Dachdecker oder Altenpfleger.

Natürlich soll es Ausnahmen für besonders belastete Berufe geben. Welche das sind, darf dann vermutlich wieder eine Kommission definieren. Wer jemals versucht hat, in Deutschland eine Behörde davon zu überzeugen, dass sein Beruf tatsächlich belastend ist, weiß bereits, wie dieses Abenteuer endet.

Dann wäre da noch die Kapitalrente. Die gesetzliche Rente funktioniert nicht mehr zuverlässig, also soll künftig zusätzlich an den Finanzmärkten investiert werden. Das klingt ungefähr so beruhigend wie der Satz: „Keine Sorge, wir haben einen Fallschirm – allerdings ist er an der Börse notiert.“

Bemerkenswert ist aber nicht nur, was beschlossen wurde, sondern auch, wer offenbar nicht entscheidend mit am Tisch saß. Die Menschen, die später einzahlen. Die Menschen, die später auszahlen. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter würden manchen Beobachtern als naheliegende Stimmen erscheinen, wenn es um die größte Sozialversicherung des Landes geht. Stattdessen entsteht der Eindruck, als würden die Betroffenen vor allem die Rechnung erhalten – nicht aber den Stift für die Berechnung.

Und dann wären da noch die Beamten. Seit Jahrzehnten wird der Bevölkerung erklärt, die gesetzliche Rentenversicherung stehe unter enormem Druck. Gleichzeitig existiert daneben weiterhin ein Versorgungssystem, das überwiegend aus Steuermitteln finanziert wird und den Staat jedes Jahr Milliarden kostet. Bei jeder Rentendebatte stellt sich dieselbe Frage: Warum diskutiert man so leidenschaftlich darüber, ob der Schlosser mit 68 statt 67 in Rente geht – aber deutlich seltener darüber, ob langfristig alle Erwerbstätigen in ein gemeinsames Alterssicherungssystem einbezogen werden sollten?

Sie arbeitet gerne für ihn und seine Pension.

Stattdessen wird wieder an denselben Stellschrauben gedreht: länger arbeiten, später in Rente, mehr privat vorsorgen. Das ist ungefähr so innovativ, als würde ein Restaurant bei jeder Beschwerde über das Essen einfach die Portion verkleinern und den Preis erhöhen.

Vielleicht liegt genau darin das eigentliche Erfolgsgeheimnis deutscher Rentenpolitik. Alle paar Jahre setzt man eine neue Kommission ein. Diese stellt fest, dass die Menschen älter werden. Anschließend empfiehlt sie, dass die Menschen länger arbeiten sollen. Danach wird eine neue Kommission eingesetzt, um die Ergebnisse der vorherigen Kommission zu überprüfen.

Ein Perpetuum mobile der politischen Verantwortung: Die Rente wird immer später ausgezahlt, die Verantwortung aber stets sofort weitergereicht.

Am Ende bleibt eine erstaunliche Erkenntnis: Das deutsche Rentensystem soll zukunftsfest werden. Offenbar besteht die Zukunft vor allem darin, dass jeder länger arbeitet, mehr privat spart und darauf hofft, dass die nächste Kommission irgendwann eine bessere Idee hat.