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Amthor und der Strandkorb

Wenn die CDU untergeht, aber wenigstens bequem

Von der politischen Krise direkt in den Strandkorb: Die neue ZDF-Doku „Inside CDU“ liefert unfreiwillig eine der schönsten Vorlagen für politische Satire seit Langem. Philipp Amthor zieht ins Kanzleramt – und offenbar gleich mit Urlaubsgefühl.

Vom Kofferträger zum echten Staatsmann!

Die CDU steckt in einer Krise. Die Zustimmungswerte sinken, die AfD zieht vorbei, bei Landtagswahlen hagelt es Niederlagen und im Kanzleramt dürfte man sich zunehmend fragen, wie man eigentlich noch erklären soll, dass alles ganz anders läuft als geplant.

Und dann kommt Philipp Amthor.

Mit einem Strandkorb.

Auf dem Balkon des Kanzleramts.

Man muss dem ZDF beinahe dankbar sein. Keine Satirikerin, kein Satiriker hätte sich diese Szene besser ausdenken können.

„Ja, das sieht doch super aus“

In der zweiten Staffel von „Inside CDU“ wird der politische Aufstieg Amthors begleitet. Der junge CDU-Politiker hat inzwischen einen Posten als Staatsminister im Kanzleramt und darf dort offenbar nicht nur über Bund und Länder nachdenken, sondern auch über die optimale Ausrichtung eines Strandkorbs.

Als das gute Stück auf die Terrasse gerollt wird, begutachtet Amthor es zufrieden.

„Ja, das sieht doch super aus.“

Und tatsächlich: Was könnte besser zur aktuellen Lage der Union passen?

Die Partei steckt politisch im Stau – Amthor steckt im Strandkorb.

Während draußen die politische Großwetterlage zunehmend ungemütlich wird, wird drinnen offenbar schon einmal für die persönliche Komfortzone vorgesorgt.

Amthor erklärt, dass er den Strandkorb im unwahrscheinlichen Fall einer Erholung einfach in Richtung Kanzlergarten drehen könne.

„Im unwahrscheinlichen Fall, dass ich den mal nutze zum Erholen.“

Ein Satz, der vermutlich nur noch von „Im unwahrscheinlichen Fall, dass die CDU irgendwann wieder gewinnt“ übertroffen werden könnte.

Willkommen im Kanzler-Strandbad

Natürlich ist ein Strandkorb kein Skandal.

Ein Politiker darf einen Strandkorb mögen. Ein Politiker darf sich auf seinem Balkon hinsetzen. Und vermutlich darf sogar ein CDU-Politiker gelegentlich Urlaub von der politischen Realität machen.

Das Problem ist eher das Gesamtbild.

Die Doku zeigt eine Partei, die mit sinkenden Zustimmungswerten und wachsendem politischen Druck kämpft.

Und mittendrin sehen wir einen aufstrebenden Nachwuchspolitiker in einem repräsentativen Büro, mit Dienstwagen und Strandkorb.

Das ist ungefähr so, als würde die Feuerwehr während eines Großbrands eine Reportage drehen und der Einsatzleiter zunächst erklären:

„Das Feuer ist natürlich ein Problem. Aber schauen Sie mal, wie schön mein neuer Liegestuhl steht.“

Die neue politische Komfortzone

Besonders schön wird es durch den Kontext.

Amthor kommt in der Doku nicht gerade aus einer Strandbude an der Ostsee.

Er sitzt inzwischen im Kanzleramt.

Medienberichte verweisen zudem auf eine hochwertige Cassina-Sitzgruppe in seinem Büro, deren Listenpreis bei rund 27.000 Euro liegt.

Und draußen wartet der Strandkorb.

Man könnte fast meinen, das Kanzleramt habe ein neues Konzept entwickelt:

Politik trifft All-inclusive-Urlaub.

  • Bund-Länder-Koordination am Vormittag.
  • Krisensitzung nach dem Mittagessen.
  • Strandkorb ab 15 Uhr.
  • Bei besonders schlechten Umfragewerten wird die Rückenlehne automatisch um drei Grad nach hinten gestellt.

CDU im Sinkflug – Amthor im Liegestuhl

Die Ironie könnte kaum größer sein.

Die ZDF-Doku heißt „Inside CDU“ und soll Einblicke in die Strategien und Krisen der Partei geben. Die zweite Staffel begleitet die Union durch ein politisch schwieriges Jahr.

Und dann liefert ausgerechnet Amthor das perfekte Symbolbild.

Die CDU kämpft darum, wieder Vertrauen zu gewinnen.

Amthor kämpft darum, den Strandkorb richtig auszurichten.

Die CDU sucht nach Antworten.

Amthor sucht den richtigen Blickwinkel auf den Kanzlergarten.

Die CDU will wieder näher an die Bürger.

Amthor ist näher am Sandstrand.

Zumindest gedanklich.

Vielleicht ist das alles ein Missverständnis

Vielleicht haben wir die Szene auch einfach falsch verstanden.

Vielleicht handelt es sich beim Strandkorb gar nicht um ein Symbol politischer Abgehobenheit.

Vielleicht ist es eine neue Form des Krisenmanagements.

„Wie reagieren wir auf sinkende Umfragewerte?“

„Strandkorb.“

„Was tun gegen die AfD?“

„Strandkorb.“

„Wie gewinnen wir verlorenes Vertrauen zurück?“

„Strandkorb nach Westen drehen.“

„Was machen wir, wenn es politisch richtig ungemütlich wird?“

„Dann drehen wir ihn Richtung Kanzlergarten.“

Man muss zugeben: Einen gewissen Pragmatismus kann man dieser Strategie nicht absprechen.

Und plötzlich versteht man die CDU

Vielleicht ist das sogar die wichtigste Erkenntnis der gesamten Dokumentation.

Die Bürgerinnen und Bürger sehen eine politische Partei, die mit großen Problemen kämpft.

Die Politiker sehen eine politische Partei, die mit großen Problemen kämpft.

Und Philipp Amthor sieht offenbar zunächst einmal einen ziemlich schönen Strandkorb.

Das ist keine politische Analyse.

Das ist Satire, die sich praktisch selbst schreibt.

Und so bleibt am Ende nur eine Frage:

Wenn die CDU tatsächlich untergeht – bekommt Amthor dann wenigstens seinen Strandkorb mit?

Denn eines ist sicher:

Wenn schon politische Krise, dann bitte mit Rückenlehne.


Hinweis: Die beschriebenen Szenen und Äußerungen aus der ZDF-Dokumentation beziehen sich auf die dort gezeigten Aufnahmen. Die weitergehenden Vergleiche, Zuspitzungen und Pointen dieses Beitrags sind satirisch.